Entflechten

In einer Streitsituation befinden wir uns innerlich in einem kampfbereiten Zustand, ähnlich wie bei einem unserer frühen Vorfahren, der sich plötzlich Auge in Auge mit einem gefährlichen Säbelzahntiger befindet.

Natürlich stehen Sie keinem Raubtier gegenüber, sondern Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin, der Sie allerdings mit irgend einer Aussage oder einem bestimmten Verhalten provoziert hat. Aber ohne dass Sie es beabsichtigen, reagiert Ihr Körper wie vor 10.000 Jahren und produziert jede Menge Stresshormone. Diese kreisen in Ihren Blutbahnen und provozieren laute Stimmen, böse Blicke und böse Worte.

Herausforderung: Die Energie der Stresshormone umlenken

Alleine mit dem Verstand sind diese großen Kräfte nicht zu bändigen. Sie müssen statt dessen die Energie auf irgend eine Art und Weise abbauen. Hier sind die Schritte dazu:

Wesentlich dabei ist, dass Sie beide voneinander wissen, warum Sie das tun. Informieren Sie sich deshalb gegenseitig darüber, was Sie tun werden und wie lange Sie jetzt an Ihrer Streitenergie arbeiten werden.

1) Streit beenden

2) Kampfenergie kostruktiv verarbeiten

3) Kampfgedanken umpolen

4) Wieder verbinden

1) Den Streit beenden

Nachdem Sie hoffentlich dieses Programm gemeinsam anschauen, wird es Ihnen leichter fallen, einfach die Auseinandersetzung zu stoppen. Ein Tipp: Verkneifen Sie sich die morbide Lust, Ihrem Partner noch einige unschöne Sätze hinzuwerfen, bevor Sie aufhören.

“Ich schlage vor, wir machen hier einfach eine Pause. Was hältst du davon?”

Wenn irgendwie möglich, stimmen Sie zu. Wenn der andere noch unbedingt etwas sagen will, dann reden Sie einfach nicht zurück, und machen den Vorschlag etwas später wieder.

Streiten kann man nur zu Zweit

Manchmal ist vielleicht nur einer von Ihnen beiden zu einem Stopp bereit, aber das ist besser als weiterzustreiten. Sagen Sie in diesem Fall dem Partner bzw. der Partnerin möglichst freundlich: “Ich mache jetzt eine Pause vom Streit” und verlassen Sie den Ort des Streits. Beginnen Sie Ihre Streitenergie abzuarbeiten, wie unten  beschrieben.

Tipp für die zurückbleibende Person: Lassen Sie den Partner / die Partnerin gehen! Ein Zurückhalten macht nichts besser. Suchen statt dessen auch Sie einen Weg, um Ihre Streitenergie loszuwerden.

Achtung: Kurzzeitig zurückziehen, aber nicht verschließen!

Bitte verwechseln Sie den kontrollierten Rückzug zum Abbau der Kampfhormone nicht mit einem “sich dem Partner verschließen”. Denken Sie daran: Sie ziehen sich nur zurück, um Ihre eigenen destruktiven Energien zu bändigen bzw. um einen destruktiven Kreislauf zu stoppen.

2) Umlenken durch Aktivität oder Entspannung

Im Grunde ist es völlig egal, was Sie tun. Entscheidend ist, dass Sie etwas anderes tun als streiten. Werden Sie im Idealfall gemeinsam aktiv, wenn das nicht möglich ist, eben alleine.

Die Dauer der Unterbrechung soll überschaubar sein. Wenn die Stimmung noch nicht sehr aufgeheizt ist kann es sehr kurz sein, z.B. auf die Toilette gehen oder sich ein Glas Wasser holen. Sie sollte möglichst nicht länger als eine Stunde sein. Tun Sie deshalb Ihr Bestes, um innerlich wieder ruhiger zu werden.

Hausarbeit: Wenn etwas im Haushalt zu tun ist, dann tun Sie es jetzt.

Hinaus in die frische Luft: Gehen Sie eine Runde, laufen Sie um den Häuserblock.

Work Out: Nützen Sie Ihre Sportgeräte oder machen Sie Liegestütze oder andere Übungen.

Bewegung zur Musik: So können Sie auch auf engstem Raum Ihre Energie loswerden. Verwenden Sie Kopfhörer, wenn Sie andere stören.

Umlenken durch Entspannung

Das ist schwieriger, weil das Adrenalin in den Adern brodelt. Man kann deshalb oft auch nicht einfach schlafen gehen. Oft hilft es, ein  beruhigendes Musikstück zu hören. Atmen Sie tief in den Bauch hinein, mit Betonung der Ausatmung, so wie wenn Sie alles Negative aus dem Körper hinaus befördern wollten.

3) Kampfgedanken umpolen

Wenn Sie in Ihr eigenes Denken nicht bewusst eingreifen, dann werden Sie sich auch in der Pause weiter aufheizen, nämlich durch vorwurfsvolles und aggressives Denken über den Partner bzw. die Partnerin.

Versuchen Sie sich statt dessen in den Partner hinein zu versetzen.

  • Welche Umstände / Aussagen / Taten haben ihn/sie so aufgeregt?
  • Was können Sie daran wirklich verstehen?
  • Was könnten Sie konkret tun, um ihm/ihr entgegen zu kommen?

4) Wieder zusammenkommen

Das ist ein heikler Moment, denn vielleicht zirkulieren noch Reste Ihrer Kampfhormone in Ihren Adern. Gehen Sie deshalb behutsam miteinander um und nützen Sie die weiteren Empfehlungen.

Sollte die Spannung noch zu gross sein, dann vertagen Sie Ihr Gespräch.