Was Sie erkennen sollten


In der Imago Beziehungstherapie gehen wir der Frage nach, warum man mit dem Thema oder mit dem Partner nicht gelassener umgehen kann. Meist stellt sich dann heraus, dass sich in die aktuelle Realität auch noch alte Verletzungen aus der Kindheit mischen. Die tiefenpsychologische Arbeit daran benötigt ein therapeutisches Setting, ich bleibe deshalb bewusst bei den rein praktischen Fragen.

Sie sollten aber wissen, dass Sie sich in einem hochexplosiven Revier bewegen und ihre Erlebensmuster wahrscheinlich ineinander verstrickt sind. Wenn Sie sich erfolgreich alleine aus dieser Dynamik herausarbeiten wollen, dann sollten Sie sehr konsequent die folgenden Grundsätze verinnerlichen:

1) Erkennen: Etwas von dem was wir (beide!) tun ist falsch!

Ihr Hauptproblem: Sie verschwenden ihre Kraft dafür, um gegeneinander zu kämpfen. Damit bleibt keine Energie für die Suche nach einer guten Lösung. Fragen Sie sich: Wie könnten wir unsere Kräfte kreativ verbinden?

2) Erkennen: Jeder hat ja so Recht!

Es gibt keine absolute Wahrheit, sondern jeder hat auf seine Art Recht (z.B. der eine eher in der Sache, der andere, wie mit der Sache umgegangen wird). Die Frage heisst also: Wie gehen sie mit zwei unterschiedlichen Wahrheiten um?

3) Erkennen: Wir sind beide an diesem Punkt sehr empfindlich

Damit Sie sich nicht gegenseitig unbedacht bestimmte Auslöser „Knöpfe“ drücken, müssen Sie zu diesem Thema sehr sorgfältig kommunizieren. Dazu werden Sie all ihre Aufmerksamkeit brauchen. Eine Anleitung folgt später.

4) Erkennen: Im Konflikt liegt enormes Entwicklungspotenzial

Es ist kein Zufall, dass Sie gerade über dieses Thema streiten, es ist ein Kernthema Ihrer Beziehung. Wenn es Ihnen aber gelingt, hier zu guten Lösungen zu kommen, werden Sie auch persönlich profitieren.

5) Erkennen: Es geht nur miteinander

Sehen Sie sich als Team, das gemeinsam eine schwierige Aufgabe zu bewältigen hat. Behandeln Sie sich deshalb gegenseitig besonders aufmerksam und kooperativ.

Übung

Einigen Sie sich jetzt zur Übung auf eines Ihrer Streitthemen. Stellen Sie sich dann beide vor, Sie wären jeweils sehr erfahrene, weise Menschen. Wie würde ein weiser Mensch an die Sache herangehen?

Tauschen Sie Ihre Meinungen dazu aus:

Ich glaube ein sehr weiser Mensch würde viel mehr … und dafür weniger …

Ein Mensch mit guter Gelassenheit würde mit … so umgehen: …

Ich glaube wir können uns gegenseitig helfen, unser Thema … weiser und gelassener zu behandeln, indem ich … und du …

Besprechen Sie nun das vereinbarte Streitthema. Übertragen Sie die besprochene Weisheit und Gelassenheit auf Ihr Gespräch und setzen Sie im folgenden Gespräch alle Ihre soziale Kompetenz ein, um ein gutes (Zwischen-) Ergebnis zu erlangen.

Bleiben Sie in der Rolle des/der Verantwortlichen bis zum offiziellen Ende Ihres Gesprächs. Steigen Sie dann bewusst aus dieser Rolle wieder heraus. Schließen Sie das Gespräch wieder sehr persönlich ab, z.B. mit einer Umarmung. 🙂

Reflektieren Sie anschließend, was Ihnen an positiven Unterschieden zum normalen Gespräch aufgefallen ist.

Wenn Ihr Gespräch nicht gut gelaufen ist

Ist es Ihnen schwer gefallen, im Gespräch die angesprochene Weisheit und Gelassenheit aufzubringen? Das wäre nicht so ungewöhnlich. Reden Sie in diesem Fall bitte nicht weiter. Wenn möglich umarmen Sie sich einfach und lassen Sie so Ihre Spannungen abfließen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es in Ihrer Kommunikation unbewusste Muster, mit denen Sie sich gegenseitig provozieren und die Sie in Ihren Streitstrudel hineinziehen.

Hier können Sie Ihre Streitmuster genauer analysieren.

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