Sichere Rahmenbedingungen schaffen

Sie haben bereits viel gelernt. Wenn in Ihrer Beziehung die Gefahr noch immer sehr groß ist, dass ihre Gespräche in Kämpfe mit anschließender Frustration ausarten, dann sollten Sie bereits im Vorfeld Sicherheit schaffen und sichere Gespräche üben. Machen Sie sich klar, dass zwei Menschen auch meist zwei unterschiedliche Wahrnehmungen haben. Und das ist ok. Die Frage ist allein, wie Sie mit dieser Unterschiedlichkeit umgehen.

Lesen und besprechen Sie die folgenden Empfehlungen mit kameradschaftlicher Sachlichkeit, also ohne Vorwurf oder Sarkasmus:

1) Besprechen sie heikle Themen nur nach Vereinbarung

Überfallen Sie den Partner nicht im falschen Moment mit einem Konfliktthema und lassen Sie sich nicht überfallen. Fragen Sie immer: „Passt es für dich, über … zu sprechen“. Wenn es nicht passt, vereinbaren Sie einen besseren Termin. Halten sie sich beide an die Terminvereinbarung.

2) Begrenzen Sie die Zeit des Gesprächs

Bei heiklen Themen ist es sehr sinnvoll, die Gesamtzeit z.B. auf eine halbe oder maximal eine Stunde zu begrenzen. Vertagen Sie das Gespräch wenn Sie merken, dass Sie emotional werden oder sich die Argumente im Kreis drehen.

Die Ausführungen einer Person sollten jeweils 1  bis maximal 2 Minuten nicht überschreiten. Machen Sie dann beide bewusst eine kurze Pause zum Nach-Denken. Dann kommt der/die andere dran. Stellen Sie sich einen (Handy-) Timer, um ein Gefühl für Ihre Redezeit zu bekommen.

Respektieren Sie vor allem, wenn der Partner / die Partnerin signalisiert, dass er/sie nicht mehr weiterreden möchte. Stellen Sie in diesem Fall sicher, dass das Thema nicht unter den Teppich gekehrt wird, sondern zu einem anderen Termin z.B. mit einer Methode zur konstruktiven Problemlösung bearbeitet wird. Schreiben Sie dazu Ihre Anliegen möglichst genau auf.

3) Bereiten Sie konstruktive Notausgänge vor

Sie brauchen nicht allzu empfindlich sein. Dennoch gibt es für jeden Menschen einen Punkt, wo es für ihn/sie schwer wird, die Beherrschung nicht zu verlieren. Überlegen Sie gemeinsam, was ihnen helfen könnte, bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten. Einige Beispiele dafür:

Vereinbaren Sie ein nonverbales Signal, wenn Ihnen etwas zu viel wird. Daraufhin stoppt der andere seine Ausführungen.

Eine Pause, in der man sich ein Glas Wasser holt oder eine Runde geht.

Eine ausführliche Umarmung, mit der man die Energie vom Kopf wieder in den Körper holt.

Ein geordneter (Zwischen-) Abschluss des Gesprächs, in dem z.B. jeder zusammenfasst, was er/sie vom anderen gehört hat.

Oder andere kreative Möglichkeiten …

Einigen Sie sich auf bestimmte Vorgangsweisen, damit der Partner im Krisenfall Bescheid weiß und kooperieren kann.

Dialog über sichere Rahmenbedingungen

Beraten Sie jetzt gemeinsam, was sie tun könnten, um rechtzeitig wieder in eine gute Verbindung zu kommen, bevor Sie sich emotional verrennen und Dinge sagen oder tun, die sie dann später bereuen. Tauschen Sie sich in einem Dialog (mit SenderIn und EmpfängerIn) über die folgenden Dinge aus:

1) Ich glaube, wir könnten uns und die Situation entspannen, in dem wir …
EmpfängerIn wiederholt die Aussage ohne Kommentar

2) Was bei uns auch gut funktionieren könnte, wäre …
EmpfängerIn wiederholt die Aussage ohne Kommentar

3) Wenn wir so nahe am Streit sind, würde es mir gut tun, wenn (ich / du) …
EmpfängerIn wiederholt die Aussage ohne Kommentar

4) Wenn es uns passiert, dass einer von uns die Nerven verliert, schlage ich vor …
EmpfängerIn wiederholt die Aussage ohne Kommentar

 5) Ich könnte mir vorstellen, dass ich auch in unseren Gesprächen eine Fähigkeit einsetze, die ich jetzt schon (im Beruf / mit den Kindern / in anderen Situationen) anwende, nämlich …
EmpfängerIn wiederholt die Aussage ohne Kommentar

Fassen Sie als ZuhörerIn am Schluss die Gedanken des/der Sprechenden noch einmal zusammen: “Lass mich sehen, ob ich mir alles gemerkt habe …”

Dann wechseln Sie die Rollen SprecherIn / ZuhörerIn.

Wenn beide Ihre Vorschläge genannt haben, fassen Sie diese zu einem gemeinsamen Muster zusammen. Versuchen Sie dabei, nicht einen Vorschlag gegen den anderen auszuspielen, sondern die jeweiligen Vorschläge so einzubauen, dass sie sich ergänzen. Beispielsweise:

Ok, dann vereinbaren wir jetzt:

Wenn es kritisch wird, werde ich …  Und du wirst …

Wenn das nicht helfen sollte, werden wir …

Bevor wir dann weitersprechen, werden wir …

usw.

Am Schluss körperlich abschließen

Am Schluss sollten Sie sich etwas Zeit nehmen, diese Übung auch körperlich verbunden abzuschließen. Ich schlage Ihnen dazu vor, sich auf besondere Art und Weise zu umarmen:

Umarmen Sie sich so, dass Sie guten, entspannten Körperkontakt haben (Bauch, Brust, Kopf). Bleiben Sie so für mindestens 10 Atemzüge in Verbindung. Dann bedanken Sie sich gegenseitig. Gestalten Sie einen angenehmen Ausklang für diesen Tag.

Hier finden Sie weitere Tipps, wenn Ihre Gespräche nicht optimal laufen.

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