Der konsequent direkte Weg

Hier finden Sie den direktesten Weg zur konstruktiven Kommunikation. Diese Vorgehensweise hat enormes Kraft und kann Ihre Beziehung sehr positiv verändern. Der direkte Weg kann wie ein “Reset” Ihres Computers bewirken, bei dem Sie das Alte einfach abstellen und ganz neu starten. Rechnen Sie allerdings auch mit starken Beharrungskräften aus den bisherigen Gewohnheiten. Umso wichtiger ist Ihre ausdrückliche Vereinbarung, bei der Veränderung zusammen zu arbeiten.

1) Konsequentes JA zum Gemeinsamen

Stellen Sie die Bedürfnisse des Partners / Ihrer Partnerin konsequent in den Vordergrund und machen Sie das Beste daraus. Sagen Sie JA, wenn Ihr Partner / Ihre Partnerin Sie um etwas bittet, sei es auf sprachlicher, körperlicher oder praktischer Ebene. Beispielsweise:

Wenn der Partner / die Partnerin über etwas reden möchte, zeigen Sie sich als angenehmer Gesprächspartner.

Wenn er / sie um eine praktische Unterstützung bittet, erfüllen Sie diesen Wunsch zeitnahe und motiviert.

Wenn er/sie kuscheln möchte, nehmen Sie ihn/sie liebevoll in den Arm.

Wenn er/sie etwas unternehmen möchte, tragen Sie aktiv dazu bei, dass es eine für Sie beide schöne Zeit wird.

Natürlich darf es Spielraum geben, um all dies gut zu organisieren. Aber geben Sie dem Gemeinsamen und dem Positiven so viel Raum wie möglich. Wenn Sie an Ihre Grenzen stoßen, überlegen Sie eher, wie Sie etwas möglich machen, und weniger, wie Sie es verhindern.

2) Konsequentes Nein zum Negativen

Eine freundliche, aber klare Absage wird notwendig, wenn Sie den Eindruck haben, dass sich der Partner oder die Partnerin destruktiv verhält. Beispielsweise:

Wenn er/sie Sie abwertend behandelt oder kritisiert.

Wenn er/sie sich Ihnen gegenüber respektlos verhält.

Wenn er/sie mit Ihnen schreit oder Sie körperlich bedroht.

Wenn er/sie Ihr NEIN oder Ihr STOP Signal nicht akzeptiert.

Die Ablehnung von Negativität macht allerdings nur Sinn, wenn es auf der anderen Seite dieses klare JA zum Positiven gibt, wie oben beschrieben. Sonst wäre es nur eine neue Waffe im Streit.

Seien Sie auch nicht überempfindlich und gehen Sie so weit wie möglich auf die Anliegen Ihres Partners / Ihrer Partnerin ein. Aber beenden Sie – mit Vorwarnung – ein Gespräch, bevor es verletzend wird.

Beenden Sie negative Interaktion auf freundliche Art

Es geht um einen Lernprozess für beide Partner: Der eine kann lernen, seine eigenen Grenzen zu wahren. Der andere, die Grenzen des Partners zu erkennen und einzuhalten.

Gerade deshalb soll das Beenden einer unangenehmen oder destruktiven Kommunikation den Partner nicht verletzen. Ganz im Gegenteil: Es soll rechtzeitig verhindern, dass man sich im Verlauf des weiteren Gesprächs gegenseitig verletzt.

Unterbrechen Sie eine negative Interaktion deshalb möglichst freundschaftlich:

Ersuchen Sie um den Stopp, statt ihn aggressiv zu fordern.

Wiederholen Sie die Kernaussage des Partners, damit er/sie erkennt, die Botschaft ist angekommen.

Wenn möglich, suchen Sie einen alternativen Weg, wie der Partner/die Partnerin zu dem kommen kann, was er/sie sich offenbar dringend wünscht.

Bleiben Sie in körperlicher Verbindung, z.B. indem Sie sich umarmen und schweigen, wenn Sie gerade mit Reden nicht weiterkommen.

Tun Sie etwas miteinander, das Ihre Energie umlenkt. Beispielsweise einen Spaziergang, gemeinsame Arbeit, Essen vorbereiten, etc.

Finden Sie sich selber wieder, indem Sie beispielsweise für eine Stunde (nicht viel länger) jeweils ihren eigenen Themen nachgehen.

Vorteile der direkten Methode

Der Vorteil dieses Vorgehens liegt eindeutig darin, dass Sie damit alle destruktiven Muster auf einen Schlag unterbrechen und durch konstruktive ersetzen.

Außerdem werden Sie durch das klare JA und NEIN ihre eigenen Potenziale, aber auch Ihre bisherigen Grenzen sehr deutlich spüren. Dadurch werden Sie einen enormen Schub an Bewusstsein erleben, sowohl was die eigenen als auch die Verhaltensweisen des Partners angeht.

Schwierigkeiten und Hindernisse

Destruktive Kommunikation beruht auf meist sehr stabilen Anteilen der Persönlichkeit, die vor vielen Jahren gebildet wurden. Deshalb müssen Sie mit Rückschlägen rechnen.

Oft sind die seelische Muskeln noch zu schwach

Die erste Schwierigkeit liegt darin, dass Sie in die gewohnten Verhaltensmuster zurückfallen, selbst bei guter Absicht. Das liegt daran, dass die Fähigkeiten, die Sie für die neuen, konstruktiven Verhaltensweisen brauchen, noch nicht eingeübt sind.

Wenn Ihnen das passiert, machen Sie eine Pause, und stellen Sie möglichst schnell wieder Verbindung her. Wenn es ganz schwer wird, dann arbeiten Sie gemeinsam die anderen Kapitel durch, besonders “Wenn sich der Start schwierig gestaltet”.

Sie haben unterschiedliche Ansichten darüber, was negativ ist und was nicht

Unser menschliches Erleben ist sehr subjektiv. Was für den einen bereits grob und übergriffig ist, kann für den anderen noch ganz normal sein. Hier spielen die Erfahrungen aus unserem Elternhaus eine starke Rolle.

Klare Empfehlung: Der/die Angesprochene bestimmt, ob etwas für ihn/sie negativ ist.

Sobald eine/r von Ihnen das Gefühl hat, dass der andere gerade im Gespräch Ihre Grenze überschreitet, dann gilt dies als negativ, und die Interaktion ist zu stoppen. Diskutieren Sie in diesem Moment nicht darüber, ob das STOP Signal berechtigt ist oder nicht, sondern stoppen Sie den realen oder vermeintlichen Angriff sofort. Am Besten mit den Worten: “Tut mir leid.”

Achten Sie beide darauf, dass dieser Stop gut ausgeht, idealerweise mit einem gutmütigen “Passt schon” und einer bewussten Umarmung, in der sich die Spannung abbauen kann.

Ein kurzer Dialog nachdem Sie das gelesen haben

Lassen Sie sich jetzt Zeit, sich in die Möglichkeiten dieses Vorgehens hinein zu versetzen. Setzen Sie sich zusammen, schauen Sie einander in die Augen, vielleicht entsteht ein Lächeln. Dann beginnt eine/r zu sprechen, der andere hört zu, bis alle Satzanfänge beendet wurden.

Was mir gut gefällt an dieser Idee, ist …

Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass ich …

Möglicherweise wird es schwierig sein …

Was ich mir dann vorstellen könnte …

Wie ich dazu beitragen möchte, dass wir es dennoch schaffen …

Dann wechseln. Ganz am Schluss bekräftigen Sie gegenseitig:

“OK, dann machen wir es so!”

Schließen Sie ab mit einem Kuß und einer Umarmung.

Dialog nach einer Woche

Nehmen Sie sich nach einer Woche Zeit für ein Gespräch, um Ihr Miteinander zu reflektieren. Setzen Sie sich wieder zusammen, schauen Sie einander in die Augen, halten Sie sich bei den Händen. Dann beginnt eine/r zu sprechen, der andere hört zu, bis alle Satzanfänge beendet wurden.

Ich finde, was uns gut gelungen ist  …

Ich selber bin sehr zufrieden mit mir, weil ich habe es geschafft …

Was ich an dir sehr geschätzt habe …

Was ich in der nächsten Woche gerne genau so (bzw. etwas anders) machen möchte …

Was ich gerade in diesem Moment sehr liebe an dir …

Dann wechseln. Am Schluß diesen Dialog wieder mit einem Kuß und einer Umarmung abschließen.

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