Fehler erkennen und vermeiden

Sie können sich die Begriffe “konstruktiv” und “destruktiv” ganz praktisch vorstellen, so wie wenn Sie beide etwas gemeinsam gestalten wollten, z.B. ein Gebäude aus Bauklötzen bauen.

Konstruktive Kommunikation wäre dann jene, die dazu beiträgt, dass dieser gemeinsame Bau immer schöner wird, weil die beiden Baumeister gut zusammenspielen. Jeder macht aktiv mit, beide stimmen sich miteinander gut ab und berücksichtigt die  Wünsche und Ideen des Partners bzw. der Parterin.

Destruktiv wäre demnach, wenn das gemeinsame Vorhaben nicht weiter kommt, weil die beiden ihre Kräfte gegeneinander richten. Also wenn sie sich gegenseitig kritisieren, nur die eigenen Ideen durchsetzen und das bekämpfen, was der/die andere versucht zu bauen. Normalerweise fühlt sich jeder der beiden im Recht und sieht den anderen als Ursache des schlechten Ergebnisses.

Sind Sie im Machtkampf?

Dieses Verhalten kann man nur verstehen, wenn man erkennt, dass in derartigen Auseinandersetzungen auch viele unbewusste Anteile mitspielen, die einen Streit erst richtig brisant machen. Jede Beziehung kommt in diese Phase, in der jeder das Eigene durchsetzen will. Die Gegensätze prallen heftig aufeinander, es geht nichts weiter.

Dieses Geflecht aus scheinbar unvereinbaren Bedürfnissen, starken Emotionen und abwertendem Verhalten ist nicht leicht aufzulösen, weil jeder mit vollem Einsatz kämpft. Besonders kritisch wird es, wenn Ihnen die unten beschriebenen “Totsünden der Beziehung” passieren.

Die gute Nachricht: Diese Phase gibt es in jeder Beziehung, und man kann aus dieser Verstrickung herausfinden. Gehen Sie aber davon aus, dass es konsequentes Handeln benötigt, um hier herauszufinden.

Die 4 größten Sünden in der Kommunikation nach John Gottman

Sicher gibt es viele Beziehungssünden, aber der renommierte amerikanische Paartherapeut John Gottman hat tausende Paare wissenschaftlich begleitet und 4 Todsünden herauskristallisiert. Er nennt sie die 4 apokalyptischen Reiter, angelehnt an jene mystischen Gestalten, die Verderben und Tod über die Menschheit bringen, in diesem Fall über die Beziehung.

Diese destruktiven Verhaltensmuster schaukeln sich normalerweise gegenseitig hoch. Damit werden beide sowohl zum Täter als auch zum Opfer. Deshalb:

Wenn Sie eine dieser Verhaltensweisen bei sich feststellen, dann versuchen Sie dieses Muster sofort zu unterbrechen oder zumindest zu erkennen. Sie finden bei jeder Todsünde jeweils erste Empfehlungen!

1) Abwertende Kritik

Gottman unterscheidet eine Beschwerde von abwertender Kritik. Bei einer Beschwerde sage ich meinem Partner, was er falsch gemacht hat. z.B. “Ich bin sauer, dass du gestern nicht pünktlich warst”.

Eine abwertende Kritik entsteht durch den entsprechenden Tonfall und durch negative Bemerkungen über die Persönlichkeit des Partners bzw. der Partnerin, beispielsweise: “Warum kannst du nie ..!” “Ich hasse es wenn du …!” “Dir ist das völlig egal!”

Empfehlung: Entschuldigen Sie sich sofort für Ihren Ton und beenden Sie die Diskussion über die Sache. Nehmen Sie als kritisierte Person die Entschuldigung an. Umarmen Sie einander und entspannen Sie sich.

2) Verachtung

Es gibt viele Zeichen, mit denen wir Verachtung ausdrücken können: Offensichtlich verachtend sind Schimpfworte, aber auch mit Zynismus, Sarkasmus, Verhöhnen  und abwertendem Humor wird Verachtung ausgedrückt. Körpersprachlich gelingt dies durch Augenrollen und einem entsprechendem Gesichtsausdruck.

Empfehlung: Entschuldigen Sie sich sofort für Ihr Verhalten und beenden Sie die Diskussion über die Sache. Nehmen Sie als kritisierte Person die Entschuldigung an. Umarmen Sie einander und entspannen Sie sich.

3) Rechtfertigung und Gegenangriff

Wenn man sich rechtfertigt, hat man meist bereits verloren, denn man steigt auf ein Spiel ein, dass man nicht gewinnen kann. Der bzw. die Kritisierende wird den Angriff fortsetzen und das Gespräch endet für beide frustrierend.

Empfehlung: Signalisieren Sie sachlich, dass Sie die Beschwerde gehört haben. Wenn die Beschwerde berechtigt war, entschuldigen Sie sich. Weiter hinten im Programm werden Sie Wege finden, wie Sie damit umgehen können, wenn Sie stark unterschiedliche Einschätzungen der Realität haben.

4) Mauern

Darunter versteht Gottman den emotionalen Rückzug. Wer mauert, versteckt sich möglicherweise hinter der Zeitung oder in der Hausarbeit und ist nicht mehr bereit, auf den anderen zu reagieren. Das bringt den anderen natürlich noch mehr in Rage, was letztlich in einem heftigen Streit mündet oder in tödlichem Schweigen endet.

Empfehlung: Zeigen Sie sich grundsätzlich offen für alles was vom Partner bzw. der Partnerin kommt. Wenn der Zeitpnkt nicht passt, vereinbaren Sie einen Termin. Im Verlauf des Programms noch mehr dazu.

Dialog: Was wir tun können

Nehmen Sie sich Zeit, miteinander Ihre gefährlichsten Muster zu besprechen. Aber denken Sie an Ihre Vereinbarung: Freundlich und friedlich bleiben!! 🙂

Schreiben Sie die Stichworte auf. Diskutieren sie nicht darüber, sondern machen Sie sich klar, dass jeder wahrscheinlich einen Teil der Realität sieht. Am Einfachsten vervollständigen Sie die folgenden Satzanfänge.

“Ich glaube, mir passiert es immer wieder, dass ich …”

“Das tut mir leid, weil ich möchte schon …”

“Damit das nicht mehr passiert, nehme ich mir vor, dass ich …”

“Du kannst mir dabei helfen, indem du …”

Wenn Sie Ihre Erkenntnisse zusammengetragen und notiert haben, machen Sie sich klar, dass Sie hier einen wichtigen ersten Schritt gemacht haben: Bewusst zu werden, was unbewusst abläuft. Experimentieren Sie bei Ihrem nächsten Konflikt damit, wie Sie diese destruktive Muster durch konstruktive ersetzen können.

Schließen Sie das Gespräch gut ab, indem Sie sich umarmen. Lassen Sie den Tag gut ausklingen.

 

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