Was tun mit intensiven Gefühlen?

Der Sinn der Gefühle

Starke Gefühle kann man nur schwer unterdrücken. Es macht auch keinen Sinn, denn sie sind wichtige Signale für einen selbst, um zu spüren, wie es einem geht in einer bestimmten Situation.

Gefühle nicht einfach ausagieren

Kinder schreien, weinen und trotzen, wenn Sie ihre Bedürfnisse verteidigen. Selbst wenn sie nichts erreichen, werden Sie nach diesem Ausbruch meist wieder friedlich, weil durch den Ausbruch der Emotionen wurden die inneren Spannungen abgebaut.

Bei Erwachsenen ist das schwieriger. Es wirkt ja enorm bedrohlich, wenn große Erwachsene mit den Mitteln eines Kindes agieren. Deshalb beginnen sich Menschen, auf die sich diese intensiven Gefühle entladen, instinktiv sich zu verteidigen oder sich zurück zu ziehen. Oft kommt der Angegriffene dann selbst in einen enormen emotionalen Druck, sodass er oder sie dann selbst “auszuckt”. Dabei wird allerdings die seelische Spannung nicht verringert, sondern viel mehr intensiviert.

Im schlimmsten Fall sind am Ende beide emotional ausgepumpt und verletzt. Erreicht wurde durch den Gefühlsausbruch auch nichts. Beide sind zu erschöpft oder voneinander zu sehr enttäuscht, um eine konstruktive Lösung finden zu können.

Die Kraft der Gefühle bewusst nützen

Gefühle können aber sehr nützlich sein, wenn man mit ihnen selbst-bewusst umgeht. Folgende Stufen sind hilfreich:

1) Erkennen

Was genau spüre ich? Ist es Ärger oder Zorn oder Hilflosigkeit oder …?

Welche deiner Aussagen / Verhaltensweisen löst dieses Gefühl in mir aus?

Was denke ich mir dann von mir / von dir / von uns?

2) Verbinden

Es bringt absolut nichts, wenn Sie Ihre Erkenntnisse einfach in den Raum schreien. Suchen Sie stattdessen einen Weg, um mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin in Verbindung zu kommen, bevor Sie über Ihre Gefühle sprechen.

Nehmen Sie zunächst mit sich selber Kontakt auf: Spüren Sie Ihren Atem, atmen Sie bewusst tief in den Bauch hinein bis Sie merken dass Sie sich entspannen.

Suchen Sie freundlichen Augenkontakt mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin: Spüren Sie die Verbindung oder erkennen Sie, dass dieser Zeitpunkt nicht für ein gutes Gespräch geeignet ist.

Stellen Sie Körperkontakt her: Nehmen Sie eine Hand, spüren Sie die Kühle oder Wärme. Lassen Sie sich Zeit, einander zu spüren. Erst dann sprechen Sie.

3) Aussprechen

Erzählen Sie Ihrem Partner / Ihrer Partnerin von Ihrer Erlebniswelt. Es kann keine Anklage sein, denn es gibt wahrscheinlich viele Menschen, die das Verhalten wahrscheinlich anders aufnehmen oder anders damit umgehen würden. Es geht also ausschließlich um eine kurze, persönliche Information über das was Sie selbst unter 1) erkannt haben. Beispielsweise:

Wenn du … dann denke ich … und dann fühle ich mich …

Was ich mir in so einer Situation von Dir wünsche …

4) Ankommen

Das Ankommen kann man nicht erzwingen. Als Partner / Partnerin sind Sie allerdings gut beraten, offen zuzuhören. Sie müssen nichts zugeben oder versprechen, es genügt, einfach da zu sein und zu versuchen, den/die SprecherIn zu verstehen.

Jede Erfahrung ist wichtig

Gehen Sie ruhig davon aus, dass Sie anfangs immer wieder scheitern werden, denn man braucht bestimmte seelische “Muskeln”, um mit starken Gefühlen bewusst umzugehen. Je mehr Sie sich allerdings beide bemühen, umso schneller werden sie erfolgreich sein.

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