Unerfüllte Wünsche an den Partner

Einer der großen Vorteile in einer Partnerschaft liegt darin, dass wir vom Partner schöne Sachen bekommen können, die wir uns alleine nicht so gut geben können. Oder er/sie kann entsprechend unserer Bedürfnisse mitmachen und uns damit das Leben leichter machen.

Unglücklicherweiseweise sind die Bedürfnisse von zwei Menschen meist recht unterschiedlich, so dass die Wünsche des einen Partners oftmals nicht innerhalb der Komfortzone des anderen liegen.

Allein bei den Themen Ordnung, Sex, Geld und Kinder können sich Dramen abspielen. Natürlich kann auch viel Unzufriedenheit entstehen, wenn der andere zu wenig und der andere zuviel redet, oder wenn sie andere Vorstellungen von gemeinsamer Zeit, Ordnung, Sparsamkeit oder Erziehung haben.

Das Thema konkretisieren und vertiefen

Setzen sie sich an einem ruhigen Platz zusammen, vielleicht mit einem guten Getränk, und gehen Sie schrittweise vor. Vielleicht stellen Sie sich vor, es geht nicht um sie beide, sondern um ein anderes Paar, das dieselben Probleme hat. Das macht es oft leichter, die jeweiligen Wünsche zu verstehen.

Beim folgenden Gespräch erforschen Sie zunächst nur die Bedürfnisse des einen Partner. Erst wenn der Sender alles zu den nächsten 4 Punkten mitgeteilt hat und der/die ZuhörerIn alles gut gehört und verstanden hat, wechseln Sie die Rollen.

1) Die Wünsche zu einem bestimmten Thema konkretisieren

Beschreiben Sie sehr genau ihre speziellen Wünsche. Also nicht einfach “nicht mehr so schlampig sein”, sondern wie, wann oder wie oft der Partner zur Ordnung beitragen soll.

Überprüfen Sie als Zuhörer, ob sie  ihre Wünsche richtig gehört haben. Beispielsweise: “Habe ich dich richtig gehört, du möchtest von mir …”

Meist stellt sich heraus, dass es um einige wenige konkrete Handlungen geht, über die man bisher gestritten hat.

2) Das zugrundeliegende Motiv erforschen

Beschreiben Sie als SenderIn dem Partner / der Partnerin ihre Sehnsucht in Zusammenhang mit Ihrem Wunsch, z.B.: “Weißt du, ich möchte so gerne … (mich mehr entspannen, unterstützt fühlen, etwas erleben, usw.)”

Als ZuhörerIn wiederholen Sie genau diese Worte.

3) Die Wünsche verstehen

Versuchen Sie dann als ZuhörerIn  den/die SprecherIn zu verstehen. Beziehen Sie sich auf die Aussagen, die Sie gehört haben und auf Ihre Kenntnisse der Bedürfnisse des/der PartnerIn. Vermeiden Sie dabei jede spitze Bemerkung.

Eine gute Formulierung ist: “Ich kann das verstehen, wenn Du dir … wünscht, weil …”
Wichtig: Verstehen heißt einfach sich in den Partner hineinzuversetzen und formulieren, wie der Partner die Sache sieht. Das muss noch keine Zustimmung sein.

4) Die Gefühle benennen

Fühlen Sie sich dann als ZuhörerIn in die Emotionen des Partner bzw. der Partnerin ein: “Ich könnte mir vorstellen, wenn ich … (nicht so bin wie du es gerne möchtest) dann fühlst du dich …”  “Ist das so?” Der/die SenderIn spürt seinen eigenen Gefühlen nach und bestätigt, korrigiert oder ergänzt.

Zusammenfassen und wechseln

Als ZuhörerIn fassen Sie nun noch einmal in aller Ruhe alles zusammen, was Sie gehört haben. Fragen Sie nach: “Habe ich alles?” Das soll dafür sorgen, dass Sie als Zuhörer nicht unbewusst wichtige Informationen ausblenden.

Machen Sie eine kleine Pause, um all das was Sie gehört haben, bei sich gut ankommen zu lassen. Dann wechseln Sie die Rollen, und der/die bisherige ZuhörerIn beschreibt ihre konkreten Wünsche und Motive nach obigem Schema.

Sich gegenseitig entgegenkommen

Wenn Sie bis hierher gut gekommen sind, dann haben Sie sich in aller Ruhe gut verstanden und in den Partner eingefühlt. Das ist eine sehr gute Voraussetzungen für den nächsten Schritt:

Mein Geschenk an unsere Beziehung

Überprüfen Sie jeder für sich: Wie könnte ich meiner Partnerin / meinem Partner entgegenkommen, als Geschenk an unsere Beziehung? Überlegen Sie dabei ganz konkret, was, wann und wie Sie etwas tun möchten, das den Wünschen Ihres Partners / Ihrer Partnerin entgegenkommt.

Es ist natürlich toll, wenn Sie einen guten Schritt aus der eigenen Komfortzone auf den Partner zugehen können. Bleiben Sie aber realistisch. Festgefahrene Gewohnheiten ändern sich nur langsam. Deshalb ist ein kleiner Schritt, mit dem etwas in Bewegung kommt, meist wichtiger als ein toller Vorsatz, der dann nicht umgesetzt wird.

Tauschen Sie dann Ihre Vorschläge aus. Freuen Sie sich über jedes Entgegenkommen. Verhandeln Sie nicht weiter, wenn ihr Idealzustand noch nicht ganz getroffen wurde. Gehen Sie in diesem Fall davon aus, dass Sie erreicht haben, was jetzt möglich war.

Schließen Sie Ihre Arbeit körperlich körperlich ab, z.B. mit einer ausführlichen Umarmung.

Falls das alles sehr gut ging, gratulieren Sie sich gegenseitig, Sie haben einen wichtigen Schritt getan, um einen unnötigen Stolperstein in Ihrer Beziehung aufzulösen!

Falls es nicht gut gelaufen ist, klicken Sie hier.