Sonderfall: Gravierende Verletzung


Die Stabilität der Beziehung und die Selbstverständlichkeit, als Paar gemeinsam weiter gehen zu können, kann durch bestimmte Vorfälle erschüttert werden. Meist sind es gravierende Grenzüberschreitungen, welche die Beziehung für die “verletzte” Person ernsthaft in Frage stellen. Beispielsweise …

Untreue: Außenbeziehung zu einer anderen Frau bzw. einem anderen Mann.

Verbale Gewalt: Außergewöhnlich harte und beleidigende Worte

Körperliche Gewalt: Schläge und anderes verletzendes Verhalten

Einzelentscheidung einer Person, die eindeutig gegen Interessen des Partners / der Partnerin gerichtet sind.

Beim folgenden Ritual geht es zunächst nicht um die Eigenheiten der Gesamtbeziehung, sondern nur um das konkrete Fehlverhalten der jeweiligen Person.

Ritual zur Verarbeitung der Verletzung

Hinweis: Bitte führen Sie dieses Ritual nur durch, wenn Sie beide die Verletzung verarbeiten und abschließen wollen. Ich empfehle, dass Sie beide folgenden Satz aussprechen:

Ich bin bereit mit dir dieses Ritual durchzuführen, um das Gewesene für immer abzuschließen!

Oft kann man ein Fehlverhalten vor dem Hintergrund der jeweiligen Situation, der Beziehung und der Persönlichkeit der handelnden Personen sogar verstehen. Darum geht es jetzt aber nicht, denn die aktuelle Tat überschattet im Moment alle Begründungen.

Machen Sie sich als TäterIn klar, dass es jetzt nur darum geht, das Fehlverhalten anzuerkennen und zu bereinigen. Rechnen Sie damit, dass es mehrere Runden braucht, bis die Gefühle verraucht sind.

1) Den Zorn und die Verletzung des Partners aushalten

In dieser Phase sprechen Sie als Verletzte(r) alles aus, was Ihnen auf der Seele liegt. Alle Gedanken und Gefühle sind ok. Spüren Sie dabei möglichst achtsam in sich hinein, so bleiben Sie klar und bewusst.

Bleiben Sie als TäterIn beim Partner / bei der Partnerin während dieser seinen bzw. sie ihren Gefühlen Luft macht. Verzichten Sie auf jede Argumentation oder Beschönigung. Hören Sie statt dessen aktiv zu, indem Sie entscheidende Sätze wiederholen, z.B. …

Ja, es stimmt, ich hätte (nicht) …

Statt dessen wäre es besser gewesen …

Wenn der/die Verletzte Aussagen macht, denen Sie nicht einfach zustimmen können, dann diskutieren Sie nicht, sondern wiederholen Sie alle diese Aussagen:

Du sagst, dass …

Versuchen Sie dann als TäterIn diese Aussagen aus der Sichtweise des Partners / der Partnerin zu verstehen. Das braucht keine Zustimmung sein, sondern soll ein ehrliches Verstehen sein, bei dem Sie ausschließlich aus der Sicht des Partners auf die Angelegenheit schauen.

Ich kann gut verstehen wenn du sagst … denn … (z.B.: es ist / wäre ja wirklich …)

Wenn alles ausgesprochen ist, dann wechseln Sie die Rollen Sprecher bzw. Zuhörer.

2) Eingestehen: Dass ich dich verletzt habe

Machen Sie sich als TäterIn noch einmal bewusst, was genau den Partner / die Partnerin verletzt hat und dass das nicht ok war. Nehmen Sie guten Kontakt mit dem/der Verletzten auf und sagen Sie sehr deutlich:

Ich weiß, ich habe dich verletzt, indem ich …

Ich hätte das nicht tun sollen, weil …

Es tut mir leid.

Hören Sie auch als Verletzte aktiv zu. Wiederholen Sie die Worte, die Sie hören. Wenn es für Sie möglich ist, versuchen Sie sich auch in den Verletzer hineinzufühlen.

Ich höre von dir, du sagst …

Ich kann schon verstehen …

Im Idealfall ist jetzt das Wesentliche ausgesprochen und auch angekommen. Damit wird viel Druck aus der Situation genommen. Jetzt geht es darum, das begangene Unrecht auszugleichen.

3) Ausgleichen: Wieder gut machen

Verletzungen in einer Beziehung können nicht real ausgeglichen werden, weil die Schwere und damit der “Wert” einer Verletzung subjektiv ist. Es geht also um eine symbolische Handlung, die dem/der Verletzten zugute kommt.

Was wünscht du dir von mir für die Zukunft?

Was kann ich tun, um das wieder gut zu machen?

Wenn Sie als Verletzte/r bereits wissen, was Ihnen gut tun wird, und wenn Sie bereits sind, damit das Verhalten zu entschuldigen, dann sagen Sie, was Sie sich wünschen.

Als TäterIn wiederholen Sie zunächst, was von Ihnen gewünscht wird, um das Vergangene zu bereinigen. Wenn irgendwie möglich, stimmen Sie zu.

Ich höre von Dir, als symbolischen Ausgleich wünscht Du dir von mir …

Das mache ich gerne, damit wir wieder gut sein können. Ich werde  …

Wiederholen Sie als ursprünglich Verletzte/r die Worte des vormaligen Täters / der Täterin.

4) Wieder Verbinden

Schließen Sie dann dieses Gespräch mit einer langen Umarmung und mit einem Kuss ab. Lassen Sie beide das Gespräch nachwirken und spüren Sie, wie angenehm es ist, wieder gut sein zu können. Wenn neuerlich Flash Backs auftreten, lassen Sie diese immer wieder auftauchen und dann in die Vergangenheit absinken. Oder Sie führen noch einmal dieses Ritual durch.

Unternehmen Sie in den nächsten Tagen etwas Schönes miteinander.

Wahrscheinlich macht es Sinn, im Verlauf der nächsten Zeit andere Abschnitte aus dem Programm durchzuarbeiten.

Wenn die Ent-Schuldigung noch nicht ganz möglich war

Oft braucht es mehrere Anläufe, um wieder miteinander ganz gut sein zu können. Dann wiederholen Sie einfach dieses Ritual immer wieder. Diese strukturierte Form ist sicherer, als immer wieder übereinander herzufallen.

Sollten Sie feststellen, dass Sie gar nicht weiterkommen, dann empfehle ich Ihnen, das ganze Programm von Anfang an schrittweise durchzuarbeiten oder nützen Sie unser Forum für Erfahrungsaustausch.

Wenn Untreue der Auslöser war, arbeiten Sie das entsprechende Thema im Programm genau durch. Die dortigen Hinweise passen auch auf viele andere komplexe Probleme.

Wenn Gewalt oder Alkohol bzw. Suchtmittel nach wie vor eine große Rolle spielen, suchen Sie entsprechende Beratungsstellen auf.