Ganzheitliche Beziehungsanalyse


Wenn ein Paar zu mir in die Praxis kommt, dann gibt es dafür meistens einen aktuellen Grund. Irgend etwas hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Dieser Vorfall hat natürlich einen ganzheitlichen Hintergrund, auf dem es entstehen konnte. Deshalb sehen wir uns gemeinsam die Gesamtsituation der Beziehung sehr genau an.

Nur so können wir miteinander erkennen, wo die richtigen Lösungsansätze für das aktuelle Problem liegen. Dabei werden auch die Stärken und Ressourcen genau dieses Paares deutlich. Und jene Bereiche, die geklärt und gestärkt werden müssen, damit die Beziehungsarbeit erfolgreich sein kann.

Ganzheitliche Analyse unserer Beziehung

Nun zu Ihrer Arbeit: Stellen Sie sich vor, sie wären ihre eigenen Beziehungstherapeuten, die zunächst einmal sehr genau herausfinden wollen, was in Ihrer “Beziehungskiste”  alles zu finden ist.

Die Kernfragen lauten:

Was uns trennt: Worüber streiten wir uns eigentlich?

Was uns verbindet: Wobei sind wir uns einig?

Nehmen Sie sich zunächst jeder Zeit für sich. Versuchen Sie, ein möglichst objektives Bild Ihrer eigenen Beziehungssituation zu bekommen. So wie wenn jemand, der Sie beide sehr gut kennt, von außen auf Ihre Beziehung schaut. Sollte Ihre Beziehung durch einen aktuellen Konflikt sehr verändert sein, dann beantworten Sie alle Fragen doppelt: Vor der Krise und jetzt, mitten in der Krise. Nützen Sie dazu die folgenden Fragen.

Was fällt mir auf an unserer Beziehung?

Machen Sie sich klar, dass es jetzt darum geht, das Ganze Ihrer Beziehung zu erfassen, und zwar von jeder Seite. Beantworten Sie diese Fragen deshalb zunächst jeder für sich allein, am Besten schriftlich mit Stichworten auf einem Blatt Papier.

1) In welcher Phase unserer Beziehung befinden wir uns derzeit?

2) Welche äußeren Umstände oder Veränderungen spielen derzeit eine Rolle?

3) Welche Menschen beeinflussen uns in dieser Phase?

4) Was funktioniert sehr gut in unserer Beziehung?

5) Was schätze ich an dir als meinen Partner / meine Partnerin?

6) Was glaube ich, dass du an mir schätzt?

7) Was wünsche ich mir von dir, das du weniger oder mehr machen oder sein könntest?

8) Was glaube ich, wünscht du dir (mehr oder weniger) von mir?

9) Welche guten Qualitäten und Gefühle möchte ich mehr in unserer Beziehung erleben?

10) Unsere größten Herausforderungen bzw. unsere wesentlichsten Entwicklungspotenziale sehe ich darin …

Tragen sie nun ihre Gedanken zusammen

Erzählen Sie einander nun, was ihnen zu den obigen Fragen eingefallen ist. Versuchen Sie dabei nicht, den anderen zu überreden. Stellen Sie sich vor, Sie erzählen als Leser oder Autor, was in einem bestimmten Kapitel eines Liebesromans gerade passiert. Auch dort gibt es Höhen und Tiefen, die das Ganze erst spannend machen.

Verbinden Sie nun ihre Gedanken

Nützen Sie dabei das “Prinzip der Schriftlichkeit”: Schreiben Sie in gemeinsamer Abstimmung auf ein Blatt Papier, worüber Sie bei ihrer Analyse übereinstimmen.

Wichtig: Wählen Sie nur Formulierungen, denen sie beide zustimmen können! Sollten Sie etwas sehr unterschiedlich sehen, dann schreiben Sie eben beide Sichtweisen auf.

Wahrscheinlich erkennen Sie in Ihrer Beziehung eine oder mehrere “Baustellen”. Diese können Sie nun in der nächsten Zeit eine nach der anderen sanieren.

Definieren Sie dazu hier für jede “Baustelle” das konkrete Problem.

Wenn es Spannungen gab oder wenn Sie zu keinen gemeinsamer Definition gekommen sind: Auch gut! Sie sind auf dem Weg, das allein ist schon wichtig. Hier bekommen Sie Tipps, wie sie in diesem Fall weiter vorgehen können.