3) Verstehen


Das gegenseitige Verstehen ist das wichtigste Ziel des Imago Dialogs. Dieser Schritt ist sicher emotional und intellektuell anspruchsvoll, denn es ist für uns Menschen sehr schwer, anderen Verständnis zu signalisieren, die nicht genau so denken wir. Gleichzeitig erleichtert und entspannt es ungemein, wenn man sich vom Partner bzw. der Partnerin verstanden fühlt.

Die Logik des/der SenderIn anerkennen und in Worte fassen

Das Verstehen gelingt, wenn Sie sich als EmpfängerIn ganz in die Welt des/der SenderIn hineinversetzt. Das ist ein menschlich großer Schritt, besonders wenn SenderIn Sichtweisen oder Interessen vertritt, die den eigenen nicht entsprechen. Versuchen Sie es gerade deswegen!

Verstehen heißt nicht unbedingt Zustimmen

Erleichtert wird das Verstehen, wenn Ihnen bewusst ist, dass es nicht um Zustimmung, sondern ausschließlich um das Verstehen und Respektieren des Partners bzw. der Partnerin geht.

Stellen Sie sich vor, dass ein Eskimo und ein Afrikaner über ihre unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten sprechen. Sie werden sich gegenseitig verstehen können, indem sie sich ganz in den anderen hineinversetzen. Sie müssen deshalb aber nicht die fremden Bräuche annehmen.

Das Verstehen richtig formulieren

Die Phase des Verstehens beginnt, wenn Sie als EmpfängerIn alles gespiegelt haben und, nachdem SenderIn zum Thema alles gesagt hat, alles zusammengefasst haben. Dann greifen Sie eine Aussage heraus, die für SenderIn offensichtlich sehr wichtig ist:

“Ich versuche dich jetzt zu verstehen: Du hast gesagt ….”

Wiederholen Sie die wichtige Aussage. Dann versetzen Sie sich ganz in SenderIn hinein und sagen:

“Das kann ich sehr gut verstehen, weil …” (und Sie beschreiben die Logik von SenderIn)

Das “weil” ist die entscheidende Formulierung für das Verstehen. Mögliche Ansatzpunkte sind:

  • “Weil es real wirklich so ist, dass ich …”
  • “Weil es aus deiner Sicht wirklich so ausschaut”
  • “Weil es schon wieder passiert ist …”
  • “Weil du ein Mensch bist, dem … (bestimmtes Prinzip) sehr wichtig ist”
  • “Weil du darauf empfindlich reagierst, weil …”

Sie werden im Gesicht von SenderIn erkennen, ob Sie richtig liegen. Fragen Sie zur Sicherheit:

“Habe ich dich gut verstanden?”

SenderIn stimmt zu, falls er/sie sich gut verstanden fühlt. Bleiben Sie einen Moment über die Augen verbunden und genießen diesen Moment des gegenseitigen Verstehens.

Wenn EmpfängerIn es nicht ganz getroffen hat, dann helfen Sie EmpfängerIn freundlich, zu verstehen: “Weißt du, für mich ist das so …”

Diese Aussagen werden wieder von EmpfängerIn gespiegelt und nochmals versucht zu verstehen: “Ich verstehe, du …” “Habe ich das jetzt richtig verstanden?”

Verstehen Sie auf diese Art eine wesentliche Aussage nach der anderen. Fragen Sie dann:

“Gibt es noch etwas (von dem was du gesagt hast) was ich verstehen soll?”

Fortsetzung des Videobeispiels:

Übung: Das gerade Gelernte reflektieren und verstehen

Fragen Sie Ihren Partner / Ihre Partnerin: “Wie geht es dir damit (mit dem “verstehen”)?”

Als Gefragte/r gehen Sie in die Rolle von SenderIn und beschreiben in wenigen Sätzen, was Sie zu diesem Abscnitt “Verstehen” denken.

Als Zuhörende/r bzw. EmpfängerIn spiegeln Sie jeden Satz.

  1. Am Schluss fassend Sie zusammenwas Sie gehört haben.
  2. Dann versuchen Sie zu verstehen, ohne unbedingt zuzustimmen:

“Ich kann gut verstehen, was du sagst, weil …”
“Habe ich das gut verstanden?

An der Zustimmung, Verneinung oder Ergänzung erkennen Sie, ob Sie die Logik von SenderIn gut getroffen haben. Wunderbar, wenn Sie es gut verstanden haben. Auch gut, wenn Sie knapp daneben lagen: Dadurch haben Sie SenderIn ein Stück besser kennen gelernt.

Dann wechseln Sie die Rollen, und der/die bisherige EmpfängerIn, sagt ebenfalls, was er/sie dazu denkt.

Ein wichtiger Tipp: Wenn Sie insgesamt unterschiedliche Meinungen über die Methode haben sollten (was sehr oft vorkommt), dann tappen Sie nicht in die Falle, jetzt ein Streitgespräch darüber zu beginnen. Lernen Sie Ihre Unterschiede zu erkennen, zu respektieren und einfach stehen zu lassen. Darum geht es in Wirklichkeit!

Übung im Alltag

Natürlich können Sie auch das “Verstehen” und “Respektieren” auch wunderbar im Alltag üben. Besonders gute Übungspersonen sind Menschen, die ganz anders denken, fühlen oder leben wie Sie selber.  Nützen Sie die Gelegenheiten!

Hier kommen Sie zum nächsten Schritt, dem “Einfühlen”.