1) Spiegeln


Als EmpfängerIn praktizieren Sie professionelles, aktives Zuhören. Sie hören dabei nicht nur einfach zu, sondern wiederholen nach einigen Sätzen die Aussagen des/der SenderIn. Das nennen wir in der Imago Therapie “spiegeln”.

Stellen Sie sich vor, dass Sie als Zuhörer ein Spiegel sind, der einfach zurückspiegelt, was in ihn hineinkommt. Sie können ruhig dieselben Formulierungen verwenden die Sie gehört haben, denn ein anderes Wort kann schon wieder eine andere Bedeutung ergeben.

Wiederholen Sie allerdings nicht einfach wie ein mechanischer Papagei! Entspannen Sie sich. Nehmen Sie die Worte bewusst auf und stellen Sie sich voll auf den/die SenderIn ein. Lassen Sie sich Zeit, die Worte bei Ihnen ankommen zu lassen. Erst dann spiegeln Sie die Aussage zurück. Dadurch wird der ganze Gespräch langsamer und bewusster.

Indem Sie auf diese ruhige Art die Aussagen von SenderIn zurückspiegeln, hört er/sie noch einmal genau was er/sie gesagt hat und kann eventuell korrigieren oder ergänzen.

Als EmpfängerIn werden Sie bemerken, dass Sie sich durch das Spiegeln sehr genau auf die Denkweise des Senders bzw. der Senderin einstellen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt liegt darin, dass Sie nicht in eigene Gedanken abgleiten, während der andere spricht.

Sollte SenderIn so viel reden, dass es für Sie schwer wird, das alles zu spiegeln, dann geben Sie rechtzeitig ein Handzeichen und sagen freundlich: “Bitte warte einen Moment. Ich spiegle zunächst einmal was ich gehört habe”.

Praktische Formulierungen zum Spiegeln

Zum Spiegeln können Sie einfach die Aussagen wiederholen. Bewährt hat sich die folgende einleitende Formulierung, denn Sie machen klar, dass es nur um das geht, was gerade gesagt wurde.

  • Ich habe gehört, du sagst …
  • Habe ich dich gut gehört?
  • Gibt es noch mehr, was du mir dazu sagen willst?

Sie sehen, dass nach dem Spiegeln gefragt wird: “Habe ich dich gut gehört?” Dadurch laden Sie SenderIn ein, entweder zu bestätigen oder bei Bedarf zu korrigieren.

Die anschließende Frage “Gibt es noch mehr, was du mir dazu sagen willst?” ist absichtlich sehr offen gestellt. Sie soll einerseits den Sender / die Senderin einladen, alles zu sagen, was er/sie zu diesem Thema sagen möchte. Durch die offene Fragestellung soll zudem verhindert werden, dass man als EmpfängerIn durch gezieltes Nachbohren das Gespräch an sich reißt.

Übungen

Wie jede professionelle Technik muss auch das Spiegeln geübt werden, damit es nicht künstlich klingt. Sie können gleich beginnen:

Übung: Das gerade Gelernte reflektieren

Einer von Ihnen übernimmt die Rolle des Senders bzw. der Senderin und vollendet bedacht die folgenden Satzanfänge, während der/die andere als EmpfängerIn jeden Satz spiegelt:

Was mir bei dieser Technik besonders auffällt, ist …  (EmpfängerIn spiegelt)

Was ich gut finde, ist …  (EmpfängerIn spiegelt)

Was vielleicht schwierig sein wird für mich ist …  (EmpfängerIn spiegelt)

Worauf ich neugierig bin …   (EmpfängerIn spiegelt)

Dann wechseln Sie die Rollen, und der Partner vollendet die Satzanfänge.

Übung im Alltag

Wahrscheinlich ist Ihnen das Spiegeln nicht schwer gefallen. Dennoch sind Sie noch weit davon entfernt, diese Gesprächstechnik mit Routine einzusetzen.

Deshalb empfehle ich Ihnen, immer wenn es passt, Aussagen Ihrer unterschiedlichsten Gesprächspartner einfach zu spiegeln. Achten Sie darauf, dass Sie dabei in Ton und Haltung freundlich, verständnisvoll und gleichzeitig selbstbewusst wirken.

  • Privat: Eltern, Partner, Kinder, Verwandte, Nachbarn, …
  • Bruflich: Kollegen, Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kunden …
  • Menschen, die Ihnen einfach etwas mitteilen wollen
  • Personen, die gerade eine andere Meinung als Sie vertreten
  • Ihr Partner / Ihre Partnerin, der/die Ihnen gerade etwas sagt

Sie werden überrascht sein, wie positiv all die Leute darauf reagieren!

Hier geht es zum nächsten Schritt: Zusammenfassen