4) Einfühlen


Das Einfühlen des Empfängers in den Sender ist wahrscheinlich die höchste Kunst im Imago Dialog. Wenn es aber gelingt, dann fühlt sich der/die SenderIn oft auf einer ganz tiefen Ebene verstanden.
Wie geht das?

EmpfängerIn fühlt sich in die Emotionen von SenderIn ein

Wenn alles gespiegelt, zusammengefasst und verstanden wurde versucht nun der/die EmpfängerIn die Gefühle des/der SenderIn nachzufühlen, die er/sie in der besprochenen Situation hatte.

Während es beim vorherigen Abschnitt, dem Verstehen, um die innere Logik ging, geht es jetzt um das Erraten und Benennen der Emotionen. Eine gute Formulierung ist:

“Ich versuche mich in dich hineinzuversetzen, wie du dich in dieser Situation gefühlt hast. Ich stelle mir vor, du hast dich …. gefühlt.”

Nennen Sie als EmpfängerIn ein, zwei oder drei konkrete Gefühle, von denen Sie annehmen, dass SenderIn sie in der beschriebenen Situation gehabt hat oder noch immer hat. Es braucht keine Begründung, denn es ist einfach der Versuch, sich in den/die SenderIn einzufühlen.

Das können eher dunkle Gefühle sein wie Trauer, Resignation oder Verzweiflung, oder heiße Gefühle wie Ärger, Zorn oder Wut, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Man kann sich auch allein, im Stich gelassen oder enttäuscht fühlen, oder auch geliebt, umsorgt, verbunden und vieles andere mehr.

Oft kommen einem zunächst allgemeine Empfindungen wie “gut” oder “schlecht” in den Sinn. Hier sollten Sie im Sinne der obigen Beispiele genauer hinein fühle. Spüren Sie in die Situation hinein, die Sie gerade gehöert und verstanden haben, und Sie werden eine Ahnung davon bekommen, welche Gefühle SenderIn erlebt hat.

SenderIn spürt nach und nennt die tatsächlichen Gefühle

Schon während EmpfängerIn überlegt, welche Gefühle er/sie gehabt haben könnte, spüren Sie als SenderIn dem eigenen Erleben nach. Erste eigene Formulierungen tauchen auf.

Sobald EmpfängerIn nun seine Vorschläge macht, kann man als SenderIn noch viel genauer spüren, welche Gefühle man tatsächlich in dieser Situation gehabt hat.

Spiegeln Sie also zunächst die Vorschläge von EmpfängerIn:

“Ich höre von dir, du meinst, dass ich mich … und … gefühlt habe.”

Dann nennen Sie Ihre tatsächlichen Gefühle. Diese können übereinstimmen mit den Ideen von EmpfängerIn, oder auch andere sein.

“Tatsächlich habe ich mich … gefühlt.”

Empfängerin spiegelt diese Aussage.

Nachspüren und den Dialog Beenden

Lassen Sie das Gehörte noch etwas nachklingen. Dann beenden Sie den Dialog, am Besten mit den Worten:

“Danke dass du mir das alles gesagt hast”

“Danke dass du mir so gut zugehört hast”

Körpersprachlicher Abschluss

Schließen Sie den Dialog auch noch körpersprachlich ab, z.B. mit einem Kuss oder einer ausführlichen Umarmung.

Wenn Sie möchten, können Sie nun die Rollen wechseln und das Thema von der anderen Seite her beleuchten. Das ist allerdings nicht immer notwendig, denn wenn Sie beide gut miteinander in Verbindung waren, passt das Ergebnis oft für beide.

Fortsetzung und Abschluss des Videobeispiels:

Empathie – Übung im Alltag

Zum Üben Ihres Einfühlungsvermögens, Ihrer “Empathie”, finden Sie im Alltag reichlich Gelegenheit. Nützen Sie einfach Gespräche, in denen Ihnen jemand etwas erzählt. Sagen Sie bei passender Gelegenheit: “Ich könnte mir vorstellen, du hast dich da … gefühlt.”

Lernen Sie aus den Reaktionen, wie gut Sie die jeweiligen Menschen nachfühlen können.