Bewusstmachender Imago Dialog

Zweck dieses Dialogs: Tiefer verstehen

Mit Hilfe dieses Dialogs sollten Sie, bei etwas Übung, in der Lage sein, über alle Themen miteinander gut zu besprechen, egal ob sie angenehm oder unangenehm sind.

Bewusstmachend heißt dieser Dialog, weil beide ein Stück bewusster werden können, was die eigene und die gemeinsame Realität betrifft. Einerseits als EmpfängerIn durch ein besseres Verstehen der Senderinbzw. des Senders. Aber auch als SenderIn, wenn Sie nicht nur vorbereitete Sätze übermitteln, sondern sich darauf einlassen, im Moment des Sprechens in sich hinein zu spüren, was gerade jetzt dazu zu sagen ist. Das macht diesen Dialog so interessant.

Wenn Sie als SenderIn, bildlich gesprochen, den/die EmpfängerIn zu einem Besuch in Ihrer Welt einladen, sollten Sie also vor allem über Ihre Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle sprechen. Die weiter unten vorgeschlagenen Satzanfänge sollen nur eine Hilfe sein, als SenderIn eine konstruktive Linie zu finden.

Und Sie wissen ja bereits: Es geht in diesem Dialog nicht darum, irgend jemand anzuklagen, zu überreden oder zu bestimmten Handlungsweisen zu veranlassen. Das macht diesen Dialog für beide Teile sehr entspannend.

Die Aufgabe des Empfängers bzw. der Empfängerin ist demnach nur, entsprechend der bereits vorgestellten Struktur zu spiegeln, zu verstehen und sich einzufühlen.

Ablauf des Bewusst machenden Dialogs

Suchen Sie sich einen ungestörten Platz. Setzen Sie sich gegenüber, auf jeden Fall so, dass Sie sich gut anschauen und berühren können. Vereinbaren Sie, wer zuerst SenderIn und wer EmpfängerIn sein soll.

Einleitung

Machen Sie sich als SenderIn klar, was Sie vermitteln möchten. Dann fragen Sie EmpfängerIn:

“Ich möchte mit Dir einen Dialog führen über ….  Bist du bereit mich zu hören?”

Wenn EmpfängerIn zustimmt, sprechen Sie weiter. Sollte EmpfängerIn derzeit aus irgend einem Grund dazu nicht bereit sein, vereinbaren Sie einen anderen Termin für das Gespräch. Sie können aber auch zu einem Dialog darüber einladen, wie es Ihnen mit dieser Verschiebung geht.

1) Senden und Spiegeln

Lassen Sie sich als SenderIn Zeit, um jeden Satz überlegt auszusprechen. Machen Sie nach einigen Sätzen eine Pause, denn EmpfängerIn soll Ihre Aussagen gut spiegeln können.

Folgen Sie Ihrem eigenen Gedankenfluss. Die folgenden Satzanfänge können helfen, die Aussagen zu vertiefen. Sie sind auch gut zum Üben geeignet:

Wahrnehmungen: “Mir ist aufgefallen … / ich habe gesehen … / mir geht es derzeit … ”

Gedanken / Schlussfolgerungen: “Da habe ich mir gedacht … / Was mich gewundert hat …”

Emotionen: “Da fühle ich mich …”

Handlungsimpulse:  “Ich würde am Liebsten … / Da habe ich …”

Als Empfängerin “spiegeln” Sie die Aussagen von SenderIn möglichst genau und ohne etwas hinzuzufügen. Fragen Sie nach dem Spiegeln immer wieder einladend: “Möchtest du mir mehr dazu erzählen?”

2) Zusammenfassen

Wenn SenderIn nichts mehr zu diesem Thema zu sagen hat, fasst EmpfängerIn alles zusammen und fragt: “Habe ich dich gut gehört?” Wenn etwas Wichtiges fehlt oder anders gemeint war, sagt SenderIn wie er/sie es gesagt/gemeint hat.

3) Verstehen

Dann versucht EmpfängerIn jede der Aussagen zu verstehen. „Ich kann gut verstehen, wenn du sagst ..“   SenderIn stimmt zu oder korrigiert.

Falls Sie als EmpfängerIn etwas gar nicht verstehen können, dann versuchen Sie es dennoch, indem Sie die Aussagen ganz aus der Sicht von SenderIn betrachten. Und Sie wissen ja: Sie müssen nicht zustimmen!

4) Einfühlen

EmpfängerIn versucht sich einzufühlen, wie sich SenderIn insgesamt fühlt mit EmpfängerIn: „Ich kann mir vorstellen, du fühlst dich mit mir ….“ (einige Gefühlsworte)
SenderIn stimmt zu, ergänzt oder korrigiert.

Machen Sie abschließend eine kurze Pause. Schauen Sie sich an, berühren Sie sich, lassen Sie das Gehörte etwas nachwirken.

Dann können Sie, wenn Sie wollen, die Rollen wechseln. Das muss aber nicht sein. Oft ist es sogar besser, das Gehörte einfach nachwirken zu lassen.

5) Körperlich verbunden abschliessen

Am Schluss nehmen Sie sich etwas Zeit, diese Übung auch körperlich verbunden abzuschließen. Mein Vorschlag:

Bedanken Sie sich gegenseitig für das Gesagte und das gute Zuhören.

Halten Sie sich bei den Händen, schauen Sie sich in die Augen, küssen Sie sich.

Umarmen Sie sich mehrere Atemzüge lang mit gutem, entspanntem Körperkontakt.

Gestalten Sie einen angenehmen Ausklang für diesen Tag.

Verhalten Sie sich in den nächsten Tagen bewusst liebevoll.

Reflexion des Dialogs

Bitte schätzen Sie sich jeder noch kurz selbst ein, wie es Ihnen bei dieser Übung gegangen ist:

War ich entspannt, klar, aufmerksam, offen, in guter Verbindung mit mir und mit dir?

Was war schön bzw. hat mir gut getan?

Habe ich irgendwelche Spannungen gespürt?

Tauschen Sie sich auch dazu aus, am Besten indem PartnerIn jeweils spiegelt.

Hier finden Sie Empfehlungen, je nachdem, ob der Dialog gut oder weniger gut gelungen ist.