Dialog: Wünsche und Bedürfnisse


Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen an die Partnerschaft. Diese müssen klar und auf gute Art ausgesprochen werden, sonst bleiben diese Bedürfnisse unerfüllt.

Unerfüllte Bedürfnisse führen automatisch zu Unzufriedenheit, schlechter Laune, Nörgeln, Schimpfen, oder abwertendes Kritisieren. Diese Verhaltensweisen führen allerdings ganz sicher nicht zur Bedürfnisbefriedigung, sondern  genau zum Gegenteil, nämlich zu Streit und Spannungen in der Beziehung.

Mit dem folgenden Dialog können Sie üben, wie Sie Bedürfnisse konkret äußern und vom Partner bzw. der Partnerin gut gehört werden.

Ablauf des Dialogs

Wenn Sie die bisherigen Übungen gut gemacht haben, dann sind Sie beide schon geübt darin, dem Partner entspannt und genau zuzuhören.

  • Organisieren Sie sich einen ungestörten Platz zum Reden
  • Schaffen Sie eine freundliche, angenehme Atmosphäre für das Gespräch
  • Bedanken Sie sich beim Partner für die Bereitschaft, dieses Gespräch zu führen
  • Vereinbaren Sie die Rollen von SenderIn und EmpfängerIn

1) Senden und Spiegeln

Formulieren Sie als SenderIn Ihre Aussagen direkt und unkompliziert, aber ohne Angriff oder Vorwurf. Denken Sie daran, von Ihrem eigenen Erleben zu sprechen. Vielleicht passen die folgenden Satzanfänge.

Als EmpfängerIn entspannen Sie sich und stellen Ihre eigene Meinung zunächst beiseite. Konzentrieren Sie sich darauf, sich ganz auf den/die SenderIn einzustellen. Spiegeln Sie alle Aussagen.

„Mir ist (bei mir/dir/uns … / seit … / in letzter Zeit …) aufgefallen, dass …“ oder “Ich spüre seit einiger Zeit …”
EmpfängerIn spiegelt.

„Was mir wirklich (fehlt / zu wenig / zu viel / …) ist …”
EmpfängerIn spiegelt.

“Das wirkt sich dann so aus, dass ich …”
EmpfängerIn spiegelt.

“Mir wäre aber so wichtig, dass ich / du / wir …”
EmpfängerIn spiegelt.

„Deshalb ist meine Bitte an dich …“
EmpfängerIn spiegelt.

2) Zusammenfassen

Wenn SenderIn nichts mehr zu diesem Thema zu sagen hat, fasst EmpfängerIn noch einmal alles zusammen und fragt: „Habe ich alles?“ Wenn etwas Wichtiges fehlt oder anders gemeint war, sagt SenderIn wie er/sie es gesagt/gemeint hat.

3) Verstehen

Dann versucht EmpfängerIn jede der Aussagen zu verstehen. „Ich kann gut verstehen, wenn du sagst …“   SenderIn stimmt zu oder korrigiert.

Falls Sie als EmpfängerIn etwas gar nicht verstehen können, dann versuchen Sie es dennoch, indem Sie die Aussagen ganz aus der Sicht von SenderIn betrachten. Und Sie wissen ja: Sie müssen nicht zustimmen und auch keine Lösung finden!

4) Einfühlen

EmpfängerIn versucht sich einzufühlen, wie sich SenderIn in diser Situation gefühlt hat: „Ich könnte mir vorstellen, du fühlst dich in dieser Situation …. und vielleicht auch …“ (einige Gefühlsworte)
SenderIn stimmt zu, ergänzt oder korrigiert.

Machen Sie abschließend eine kurze Pause. Schauen Sie sich an, berühren Sie sich, lassen Sie das Gehörte etwas nachwirken. Dann können Sie, wenn Sie wollen, die Rollen wechseln. Das muss aber nicht sein. Oft ist es besser, das Gehörte einfach nachwirken zu lassen.

Wie Sie mit der Bitte umgehen

Wenn Sie gut zugehört, verstanden und sich eingefühlt haben, dann gibt es oft einen automatischen Impuls, dem Partner bzw. der Partnerin die Bitte zu erfüllen. Freuen Sie sich als SenderIn über jedes Entgegenkommen.

Es kann aber auch sein, dass es EmpfängerIn nicht so leicht fällt genau diese Bitte zu erfüllen. Das ist auch ok, denn das Ziel dieses Dialogs ist nicht, den anderen zu überreden, sondern auf angenehme Art zu ersuchen. Vielleicht braucht es einfach nur Zeit oder auch einmal einen kreativen Problemlösungsprozess.

Körperlich verbunden abschliessen

Am Schluss nehmen Sie sich etwas Zeit, diese Übung auch körperlich verbunden abzuschließen. Mein Vorschlag:

Bedanken Sie sich gegenseitig für das Gesagte und das gute Zuhören.

Halten Sie sich bei den Händen, schauen Sie sich in die Augen, küssen Sie sich.

Umarmen Sie sich mehrere Atemzüge lang mit gutem, entspanntem Körperkontakt.

Gestalten Sie einen angenehmen Ausklang für diesen Tag.

Verhalten Sie sich in den nächsten Tagen bewusst liebevoll.

Reflexion des Dialogs

Bitte schätzen Sie sich jeder noch kurz selbst ein, wie es Ihnen bei dieser Übung gegangen ist:

War ich entspannt, klar, aufmerksam, offen, in guter Verbindung mit mir und mit dir?

Was war schön bzw. hat mir gut getan?

Habe ich irgendwelche Spannungen gespürt?

Worüber sollten wir nächstes Mal sprechen?

Tauschen Sie sich auch dazu aus, am Besten indem PartnerIn jeweils spiegelt.