Austausch im Alltag

Zweck dieses Dialogs

Viele Paare glauben, dass gute Gespräche nur bei Problemen wichtig sind. Das Gegenteil ist der Fall: Je öfter wir uns über positive oder ganz alltägliche Themen austauschen, umso weniger wachsen kleine Schwierigkeiten zu großen Problemen heran. Wenn Sie gerne erzählen, dann werden Sie diesen Dialog lieben. Wenn Sie ein eher schweigsamer Mensch sind, dann wird Ihnen dieser Dialog helfen, nicht alles allein mit sich herumzutragen.

Tipp: Gewöhnen Sie sich an, öfter am Abend oder am Wochenende darüber zu sprechen, was Sie an diesem Tag oder in dieser Woche beschäftigt oder berührt hat. Das ist besonders wirkungsvoll, wenn Sie dabei etwas in die Tiefe gehen, wie es in diesem Dialog vorgeschlagen wird.

Als EmpfängerIn brauchen Sie nur für SenderIn da zu sein,  entsprechend der Struktur spiegeln, verstehen und sich einfühlen. Bieten Sie keine Ratschläge oder Meinungen an, außer Sie werden nach dem Dialog (!) von SenderIn dezidiert darum gefragt!

Ablauf des Dialogs “Austausch im Alltag”

Setzen Sie sich gemütlich zusammen, so dass Sie sich gut anschauen und berühren können. Vereinbaren Sie, wer SenderIn und wer EmpfängerIn sein soll.

Einleitung

Lassen Sie sich Zeit, um sich hineinzuversetzen in den Tag bzw. die Woche oder die Situation, über die Sie erzählen wollen. Dann fragen Sie EmpfängerIn:

„Ich möchte mit Dir erzählen, wie es mir in/bei …. gegangen ist. Möchtest du mir nach Art des Imago Dialogs zuhören?“

Wenn EmpfängerIn zustimmt, sprechen Sie weiter.

1) Senden und Spiegeln

Lassen Sie sich als SenderIn Zeit, um jeden Satz überlegt auszusprechen. Nützen Sie die Satzanfänge, wenn sie zum Thema passen, ansonsten entwickeln Sie einfach Ihre eigene Erzähllinie. Machen Sie immer wieder eine Pause, denn EmpfängerIn soll jede einzelne Aussage gut spiegeln können.

Für mich war (die letzte Zeit, der Tag, die Aufgabe X, etc.) ….
Suchen Sie ein passendes Wort, z.B.: angenehm, sehr entspannt, schwierig, stressig, …)

Was für mich (angenehm/unangenehm, stressig/beruhigend, etc.) war …
(Beschreiben Sie Ihr Erleben)

Das war deshalb so … für mich, weil …
(Beschreiben, warum das für Sie so war)

Rückblickend fällt mir auf … (Erkenntnis)

Ich glaube, für mich wird es wichtig sein … (Ideen, was gut tut und machbar ist)

Was du für mich tun könntest … (was hilfreich wäre)

 

Als EmpfängerIn wiederholen „spiegeln“ Sie die Aussagen von SenderIn möglichst genau. Ohne etwas hinzuzufügen, zu bewerten oder zu kommentieren. Stellen Sie sich einfach entspannt als ZuhörerIn zur Verfügung.

2) Zusammenfassen

Wenn SenderIn nichts mehr zu diesem Thema zu sagen hat, fasst EmpfängerIn noch einmal alles zusammen und fragt: „Habe ich alles?“ Wenn etwas Wichtiges fehlt oder anders gemeint war, sagt SenderIn wie er/sie es gesagt/gemeint hat.

3) Verstehen

Dann versucht EmpfängerIn jede der Aussagen zu verstehen. „Ich kann gut verstehen, wenn du sagst …“   SenderIn stimmt zu oder korrigiert.

Falls Sie als EmpfängerIn etwas gar nicht verstehen können, dann versuchen Sie es dennoch, indem Sie die Aussagen ganz aus der Sicht von SenderIn betrachten. Und Sie wissen ja: Sie müssen nicht zustimmen und auch keine Lösung finden!

4) Einfühlen

EmpfängerIn versucht sich einzufühlen, wie sich SenderIn in diser Situation gefühlt hat: „Ich kann mir vorstellen, du hast dich dabei …. und vielleicht auch … gefühlt“ (einige Gefühlsworte)
SenderIn stimmt zu, ergänzt oder korrigiert.

Machen Sie abschließend eine kurze Pause. Schauen Sie sich an, berühren Sie sich, lassen Sie das Gehörte etwas nachwirken.

Dann können Sie, wenn Sie wollen, die Rollen wechseln. Das muss aber nicht sein. Oft ist es sogar besser, das Gehörte einfach nachwirken zu lassen.

5) Körperlich verbunden abschliessen

Am Schluss nehmen Sie sich etwas Zeit, diese Übung auch körperlich verbunden abzuschließen. Mein Vorschlag:

Bedanken Sie sich gegenseitig für das Gesagte und das gute Zuhören.

Halten Sie sich bei den Händen, schauen Sie sich in die Augen, küssen Sie sich.

Umarmen Sie sich mehrere Atemzüge lang mit gutem, entspanntem Körperkontakt.

Gestalten Sie einen angenehmen Ausklang für diesen Tag.

Verhalten Sie sich in den nächsten Tagen bewusst liebevoll.

Reflexion des Dialogs

Bitte schätzen Sie sich jeder noch kurz selbst ein, wie es Ihnen bei dieser Übung gegangen ist:

War ich entspannt, klar, aufmerksam, offen, in guter Verbindung mit mir und mit dir?

Was war schön bzw. hat mir gut getan?

Habe ich irgendwelche Spannungen gespürt?

Tauschen Sie sich auch dazu aus, am Besten indem PartnerIn jeweils spiegelt.