Das Kind liebevoll lenken: Der S-V-G-W Prozess


Wenn Kinder anders wollen als die Eltern, dann kann das heftig werden, denn Kinder drücken ihre Befindlichkeiten und Bedürfnisse sehr emotional und direkt aus.

Man könnte das Kind natürlich mit Gewalt stoppen, z.B. mit scharfen, abwertenden Worten, bösen Blicken oder groben Handlungen. Das ist allerdings kein guter Weg, denn normalerweise geht dies zu Lasten der Beziehung und des Klimas in der Familie.

Versuchen Sie statt dessen, diese Konfliktenergie zu lenken, anstatt sie zu stoppen. Bevor Sie allerdings lenken können, müssen Sie sich zunächst gut mit dem Kind verbinden. Hier sehen Sie die einzelnen Schritte dieses Prozesses.

Die Konflikt-Energie lenken

Indem Sie sich stabil und aufmerksam Ihrem Kind zuwenden, kann es erkennen, dass Sie es ernst nehmen. Gleichzeitig helfen Sie ihm zu lernen, dass es seine Gefühle auch auf angenehmere Art ausdrücken kann, ohne eskalieren zu müssen.

Es geht also darum, in dieser wichtigen Situation genau auf das Kind eingestellt und mit ihm energetisch verbunden zu sein, anstatt sich durch Schimpfen oder Ignorieren emotional von ihm zu distanzieren.

Hier die einzelnen Phasen dieses Prozesses:

S  Spiegeln

Wenden Sie sich Ihrem Kind voll zu und hören Sie sehr genau zu, was Ihr Kind sagt. Stellen Sie sicher, dass ihr Kind merkt, dass Sie sowohl seine Worte als auch die Gefühle dahinter aufnehmen. Spiegeln Sie alles, was es ausdrückt. So helfen Sie ihm, seine aktuellen Gefühle zu verarbeiten.

Um Ihr Kind zu “spiegeln” wiederholen Sie einfach die Aussagen des Kindes:

“Ich weiß, du möchtest …”  “Du sagst …” (alles spiegeln, was das Kind sagt)

Bedenken Sie, dass Spiegeln nicht einfach eine Methode ist, sondern vor allem eine innere Einstellung. Achten Sie deshalb darauf, sehr persönlich und in guter emotionaler Verbindung mit dem Kind zu sprechen.

“Energetisch spiegeln” bedeutet, sich mit dem Kind ohne Worte zu verbinden. Dabei können Sie z.B. über aufmerksame Zuwendung und freundlichen Blickkontakt signalisieren, dass Sie gut aufnehmen, was das Kind ausdrücken möchte.

V  Verständnis ausdrücken: Verstehen, einfühlen

Versetzen Sie sich in die Welt des Kindes und anerkennen Sie, dass es Sinn macht, was es von sich gibt. Stellen Sie sich symbolisch an seine Seite indem Sie sagen:
“Das kann ich schon verstehen, weil …”

Formulieren Sie dabei warum Sie den Wunsch des Kindes aus dessen Sicht verstehen.

Zeigen Sie Einfühlungsvermögen, indem Sie sich in die Gefühle des Kindes hineinversetzen:  “Ich kann mir vorstellen, du bist jetzt / fühlst dich …” (z.B. traurig, enttäuscht, zornig, …)

G  Grenzen und Regeln erinnern

Nennen Sie die gesetzte Grenze oder Regel, ohne das Kind zu verurteilen. Bleiben Sie dabei entspannt, sicher und freundlich:

“Du weißt aber auch, dass …”
“Du weißt, dass wir vereinbart haben, dass …”

W Wahlmöglichkeiten anbieten

Jetzt sollten Sie Wahlmöglichkeiten anbieten, nämlich mögliche Alternativen, die das Bedürfnis des Kindes entweder gleich oder später ebenfalls befriedigen:
“Du kannst beispielsweise … oder wir können anschließend … !”

Je besser Sie sich in der ersten Phase auf Ihr Kind eingestellt haben, umso eher finden Sie Ihre eigenen kreativen Alternativen, die sowohl praktisch möglich sind als auch zur Situation passen.

Dialog der Eltern miteinander

Denken Sie an kritische Situationen, in denen es üblicherweise Konflikte mit Ihrem Kind gibt. Was fällt Ihnen auf in solchen Situationen? Überlegen Sie den Sinn der Grenzen und Regeln, und finden Sie gemeinsam Wahlmöglichkeiten, die Sie Ihrem Kind in so einer Situation anbieten möchten. Dieses Gespräch ist übrigens auch eine gute Gelegenheit, um gegenseitig das Spiegeln zu üben.

Wie du mit … (unserem Kind) gesprochen hast, ist mir aufgefallen, dass es eigentlich … ausdrücken wollte.

In diesem Gespräch ist mir bei Dir aufgefallen, dass du …

Das Bedürfnis unseres Kindes, das ich gut verstehen kann, ist … weil …

Und ich glaube, dass es sich öfter … fühlt.

Eine Regel, die ich in diesem Zusammenhang sinnvoll finde, ist …

Wahlmöglichkeiten, die wir unserem Kind in dieser Situation anbieten könnten, wären … 

Wenn Sie beide Ihre Gedanken eingebracht haben, versuchen Sie daraus eine gemeinsame Strategie zu formen. Sehen Sie unterschiedliche Ansichten als Bereicherung und versuchen Sie gegensätzliche Ideen kreativ zu verbinden.

 

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