Konflikte sind nicht zu vermeiden

Es ist eine Illusion zu glauben, Sie würden mit Ihren Kindern immer harmonisch auskommen, wenn Sie Konflikte vermeiden. Sie müssen sogar damit rechnen, dass bei Konfliktvermeidung die Schwierigkeiten vielleicht später, dafür aber umso heftiger auftreten werden.

Gute Basis: Atmosphäre der Unterstützung

Sie sind als Eltern sehr gut beraten, wenn Sie Ihren Kindern ein altersentsprechend hohes Mass an Entscheidungsfreiheit zugestehen und sie dabei zu unterstützen, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Darum sollten Sie zu kreativen Vorschlägen ihrer Sprösslinge so oft wie möglich “JA” sagen. Denken Sie aber immer kurz nach, ob es auch Sinn macht, erst dann stimmen Sie zu. Organisieren Sie Ihr Familienleben oder beispielsweise Ausflüge so, dass es immer ein wenig Spielraum gibt. Das reduziert den Stress enorm!

Wenn Sie sich prinzipiell als UnterstützerIn positionieren, wird Ihr Kind umso deutlicher erkennen können, dass es wahrscheinlich sinnvoll ist, wenn die Eltern Nein sagen. Und es wird leichter zustimmen als wenn es daran gewöhnt ist, sowieso um alles kämpfen zu müssen.

Regeln und Grenzen

Allein ein gedeihliches Zusammenleben in der Familie verlangt von allen Beteiligten Beiträge und Anpassungsleistungen. Zudem wird heute eine Familie sehr stark von außen beeinflusst: von der Schule, den Medien und dem sozialen Umfeld. Die Eltern müssen für sich und Ihre Kinder immer wieder Entscheidungen treffen und zu so manchen Wünschen Nein sagen. Eltern kommen nicht daran herum, einfache und klare Regeln aufzustellen und auch durchzusetzen.

Hier sind die guten Nachrichten:

Sinnvolle Regeln und Grenzen sorgen für ein langfristig glückliches Zusammenleben und sind auch gut für das Kind

Kinder brauchen in bestimmten Entwicklungsphasen sichere Grenzen, um sich daran erproben und emotionale Selbstregulation aufzubauen

Kinder die lernen konnten, mit Grenzen und Rückschlägen gut umzugehen, zeigen im späteren Leben mehr Resilienz, sind also widerstandsfähiger

Konsequente, klare Strukturen sorgen für Sicherheit beim aufwachsenden Kind und in der ganzen Familie

Familienregeln geben Sicherheit

Indem Eltern Familienregeln z.B. in Bereichen wie Schlafenszeit, Spielen, Sauberkeit oder die Art des Umgangstons sensibel und klar aufstellen, wissen Kinder woran sie sind. Die Eltern produzieren damit eine hilfreiche Struktur, die nach einiger Zeit zur Selbstverständlichkeit wird.

Kinder fühlen sich mit solchen klaren, berechenbaren Regeln letztlich sicher, vor allem wenn es merkt, dass die Regeln Sinn machen.

Kinder werden manchmal mit aller Kraft auch gegen angemessene Regeln ankämpfen, denn dies ist ein natürlicher Teil ihres Wachstums. Deshalb ist es wichtig, einem Kind Raum für Protest zu geben. Es soll alle seine Gefühle ausdrücken können, und für ihre Eltern ist es eine gute Gelegenheit ihnen dabei zu helfen, angemessene Formen des Selbstausdrucks zu finden.

Durch Ihr elterliches Vorbild und durch Ihre Anleitung werden Ihre Kinder lernen, wie sie einerseits auf andere angemessen Einfluss nehmen können, und wie sie anderrseits in schwierigen Situationen Respekt und Einfühlung füreinander aufrecht halten können.

Wenn sich ein Kind lauthals über eine von den Eltern gesetzte (sinnvolle) Grenze beklagt, dann mag es verführerisch sein, einfach nachzugeben. Tatsächlich ist ein Nachgeben oft schädlich für das Kind, denn es schafft Sicherheit, wenn Eltern und ihre Aussagen belastbar und verlässlich sind. Die Erfahrung zeigt auch, dass Kinder umso erbitterter und hartnäckiger kämpfen, je öfter sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie durch ihren Protest letztlich doch bekommen, was sie wollen.

Grenzen setzen in guter Verbindung

Wenn es um die Durchsetzung von Grenzen geht, dann kippen Eltern oft in hartes und distanziertes Verhalten. Dieser Druck erzeugt nur Gegendruck. Genau das Gegenteil ist richtig: Gerade wenn es schwierig wird, sollten Sie liebevoll und in guter Verbindung zum Kind agieren. Verständnisvolles Spiegeln, Gelten lassen und Einfühlen sind für das Aufrechterhalten einer energetisch guten Verbindung unerlässlich:

“Ich verstehe, dass du wirklich bleiben und weiterspielen willst, denn es war wirklich so lustig. Ich verstehe schon, dass du enttäuscht bist… Wir müssen jetzt aber wirklich …”

“Ich verstehe, dass du ärgerlich bist. Und es ist nicht ok, Steine auf deinen Bruder zu werfen”

“Ich habe dich gerne, und die Antwort ist nach wie vor Nein”

Legen Sie als Eltern wesentliche Spielregeln gemeinsam fest

Denken Sie an Ihre aktuelle Familiensituation. Was ist derzeit Streitthema bzw. was kommt sicher auf Sie zu? Machen Sie sich auch bewusst, was derzeit schon wieder anders ist als noch vor einigen Monaten oder vor einem Jahr, weil sich z.B. Ihr Kind oder die Situation verändert hat.

Was läuft derzeit schon recht gut? Warum eigentlich? 🙂

In welchen Bereichen könnten wir unserem Kind mehr Freiraum geben oder mehr Selbständigkeit ermöglichen?

Welche Regeln und Grenzen werden dazu beitragen, dass wir alle miteinander harmonischer und stressfreier miteinander leben können?

Anmerkung: Kinder finden schnell heraus, dass ihre Eltern oder auch die Großeltern unterschiedliche Regeln haben. So ist es im Leben, und in Kleinigkeiten sollten Sie großzügig sein. Wenn es allerdings um Wesentliches geht, sollten Sie sich (möglichst friedlich) untereinander abstimmen.

Falls es wesentliche gegensätzliche Meinungen gibt: Auf welchen gemeinsamen Nenner könnten wir uns derzeit einigen?

Ein von beiden Teilen getragener Kompromiss zwischen unterschiedlich denkenden Erziehungspersonen ist normalerweise viel besser als die gewaltsame Durchsetzung einer Seite. Dadurch bleibt die Verbindung zwischen allen Bezugspersonen des Kindes aufrecht. Kommt es zum Bruch, wird dieser sichere Rahmen für das Kind beschädigt.

Streiten Sie über Ihre Differenzen nie vor den Kindern!

Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie als Eltern miteinander grundsätzliche Dinge besprechen können, ohne dass die Kinder dabei sind. Treten Sie dann geschlossen auf. Es gibt nichts, was das Vertrauen der Kinder an ihre Eltern mehr stört, als wenn ihre wichtigsten Bezugspersonen mit gegensätzlichen Standpunkten hart gegeneinander kämpfen.

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