Feinheiten beim Spiegeln

Indem Sie die Aussagen Ihres Kindes “spiegeln”, also wiederholen, stellen Sie bewusst eine geistige Verbindung zum aktuellen Denken und Fühlen Ihres Kindes her. Ihr Kind fühlt sich gehört und wahrgenommen. Das heißt nicht, dass Sie dadurch allem zustimmen was es sagt. Sie zeigen einfach sehr deutlich, dass Sie wahrnehmen, was Ihr Kind ausdrücken will. Es muss nicht weiter darum kämpfen, um bei Ihnen anzukommen. Es kann sich ein Stück entspannen und weiter öffnen.

Den sensiblen Punkt treffen

Wenn Sie sich näher mit dem Imago Dialog auseinandersetzen, dann werden Sie feststellen, dass Sie auf ganz unterschiedliche Art spiegeln können, und dementsprechend besser oder weniger gut “ankommen”:

Rein mechanisches Spiegeln

Dabei wiederholen Sie zwar, was Ihr Kind sagt, aber ohne Gefühl und ohne genau darauf zu achten, worauf es Ihrem Kind ankommt. So werden Sie wenig positiven Effekt spüren.

In guter Verbindung mit dem Kind

Hier nehmen Sie Ihr Kind aufmerksam wahr und achten sehr genau darauf, was es eigentlich ausdrücken will. Wenn Sie dann “spiegeln” sorgen Sie dafür, dass Sie miteinander emotional gut in Verbindung sind und stellen Sie sich in Ihrem Ausdruck und in Ihren Worten  auf die Gefühlswelt des Kindes ein.

Beruhigendes Mitfühlen

Starke Gefühle müssen Sie nicht mit gleicher Intensität spiegeln. Fassen Sie die Gefühle des Kindes in Worte, damit es sich verstanden fühlt, aber mit nur etwa   halb soviel Emotion in Ihrem Ausdruck. Auf diese Art verbinden Sie den verbindenden Effekt des Einfühlens mit der entspannenden Ausstrahlung Ihrer Persönlichkeit.

Spiegeln je nach Alter des Kindes

Ihre Fähigkeit, sich auf Ihr Kind einzustellen, wird in jedem Alter anders gefordert:

Im ersten Jahr

Das Baby kann noch gar nichts verstehen, was man sagt. Es ist aber sehr empfänglich für die Art, wie etwas gesagt wird. Deshalb geht es jetzt hauptsächlich darum, über die Augen, den Körper und über Töne in guter Verbindung zu sein.

Kleinkinder

Jetzt kann Ihr Kind bereits viel verstehen. In Stress Situationen wird es allerdings sehr leicht von den eigenen Gefühlen überwältigt, und die Aufnahmefähigkeit reduziert sich drastisch. Dann ist es sinnvoll, in ganz kurzen Sätzen und sehr (freundlich) ausdrucksstark zu spiegeln: “Du sagst …” “Du bist …” “Ja, Du möchtest …” “Du bist … (traurig) weil …”

Wiederholen Sie diese Sätze bei Bedarf ein paarmal, bis Sie merken, dass Sie beim Kind angekommen sind und sich das Kind etwas entspannt.

Später je nach Situation und Temperament des Kindes

Wenn Ihr kleiner Gesprächspartner sehr aufgeregt ist, werden Sie besonders darauf achten, gut in Kontakt zu kommen: Auf gleiche Ebene gehen, in die Augen schauen, deutliche Ausdrucksweise, Wiederholung wesentlicher Aussagen.

Wenn Ihr Kind eher schüchtern und zurückhaltend ist, dann nehmen Sie auch Ihre eigene Ausdruckskraft zurück. Lassen Sie sich Zeit, sprechen Sie weich, mit Pausen. Achten Sie besonders drauf, auf sanfte Art die entscheidende Ausságe anzusprechen.

Im fortgeschrittenen Schulalter sind Kinder oft sehr zurückhaltend mit ihren Aussagen. Wenn sie doch mit einer Nachricht herausrücken, ist es meist besser mit einer Pause zurückhaltend zu spiegeln, statt sich auf die Aussage zu stürzen, den das Kind herausgelassen hat. Durch ein entspanntes Spiegeln öffnet sich das Kind viel leichter, als durch den Versuch, etwas aus ihm herauszuziehen.

Viel Spass dabei, sich genau auf Ihr Kind “einzuschwingen”!

 

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