Der Wandel der Erziehungsideale

Das elterliche Erziehungsideal entwickelte sich  …
von Eltern zentriert   zu   Kind zentriert  zu …
(Imago) Eltern-Kind zentriert

Dr. Harville Hendrix und Dr. Helen LaKelly-Hunt schrieben schon 1997 in Ihrem Buch “So viel Liebe wie dein Kind braucht”:

“Wir müssen eine neue Vision des Eltern Sein schaffen … wir sind alle Pioniere. Alte Erziehungsmodelle waren Eltern-zentriert, in der Eltern autoritäre patriarchalische Figuren waren, ganz klar bestimmend. Die jüngeren Erziehungsmodelle sind übertrieben Kind-zentriert und ebenfalls aus dem Gleichgewicht. Heute wollen wir ein Erziehungsmodell erreichen, in dessen Zentrum die Eltern-Kind-Beziehung steht.”

Mit anderen Worten: Früher waren Eltern und Erziehungsberechtigte beherrschend und das Kind ausgeliefert. Eltern setzten ihre Bedürfnisse oft grob,  mit Gewalt und ohne Rücksicht auf das Kind durch. Im Laufe der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde dieses autoritäre Erziehungsverhalten zu Recht kritisiert.

Mit dem “antiautoritären Erziehungsstil” schlug dann das Pendel in die andere Richtung aus. Den Eltern wurde vermittelt, sie könnten ihr Kind am Besten fördern, wenn sie sich möglichst nach dem Kind richten. Dadurch verunsichert wollten Eltern die besten Freunde ihres Kindes sein und gaben dadurch viel von ihrer Verantwortung ab. Konsequenterweise übernahmen die Kinder die Rudelführung.

Sehr oft kam es zwischen den Eltern zum Streit, die sich uneins waren, ob man auf Grund auftauchender Probleme nun nachgiebiger oder härter vorgehen sollte. Im schlimmsten Fall fanden diese Auseinandersetzungen vor dem Kind statt.

Das Imago Eltern-Kind Beziehungsmodell

In der Imago Elternschule geht es zum Vorteil des Kindes und des gesamten Erziehungssystems darum, diese Gegensätze wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

1) Die Bedürfnisse des Kindes achten

Vorrangig geht es darum, als Elternteil eine tragfähige Beziehung zum Kind aufzubauen, und im Interesse einer gesunden Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes dessen emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Beispielsweise die Sehnsucht nach einem liebevollen “Nest” in dem es sich sicher und angenommen fühlen kann. Oder eine angemessene Unterstützung bei den kleinen und größeren Herausforderungen des Kindes.

Dazu werden Sie in diesem Seminar mehr über die Bedürfnisse des Kindes in seinen jeweiligen Entwicklungsphasen erfahren. Mit dem Imago Dialog für Kinder werden Sie eine spezielle Methode kennen lernen, um sich genau auf Ihr Kind einzustellen, auch in heiklen Situationen.

2) Als Eltern Verantwortung übernehmen

Gleichzeitig möchte ich Sie als Eltern ermutigen, Ihre Verantwortung wahr zu nehmen und für ausreichend Sicherheit und Struktur zu sorgen. Also Regeln und Grenzen zu definieren, die für das Zusammenleben Sinn machen. Und freundlich aber sicher dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden, auch wenn das Kind öfter dagegen protestieren wird.

Dazu werden Sie neben entsprechendem Hintergrundwissen Methoden kennenlernen, um Ihr Kind liebevoll aber konsequent zu lenken. Notwendig für diese konstruktive Einflussnahme ist allerdings die oben beschriebene gute, stabile Beziehung zum Kind.

Besprechen Sie gemeinsam Ihren Erziehungsstil

1) Selbsteinschätzung

Diese Übung ist besonders effektiv, wenn sich jeder von Ihnen mit einigen Sätzen, maximal einige Minuten lang, selber einschätzt.

Ich glaube, ich lebe eher einen …. Erziehungsstil.

Ich glaube das deshalb, weil ich … (bestimmtes Elternverhalten)

Und ich verhalte mich deshalb so, weil mir sehr wichtig ist, dass …

In Bezug auf das Thema denke ich mir …

Als Zuhörende(r) hören Sie  einfach zu, ohne den anderen zu unterbrechen oder zu korrigieren. Wenn Sie es ganz gut machen wollen, dann fassen Sie als ZuhörerIn das Gehörte zusammen und fragen anschließend: Habe ich dich gut gehört?  Der/die SprecherIn wird zustimmen oder ergänzen.

Dann kommt der andere dran mit seiner Selbsteinschätzung.und der/die andere hört genau so entspannt zu und wiederholt das Gehörte.

2) Rückmeldungen geben

Erst jetzt geben Sie sich Rückmeldungen darüber, ob Sie einander genauso erleben wie Sie sich selbst eingeschätzt haben, oder ob Ihnen etwas anderes auffällt. Aber bitte aufpassen: Eine Rückmeldung ist ein Geschenk, nicht etwas, das man dem anderen aufdrängt!!

3) Fassen Sie gemeinsam zusammen

Es ist schön, wenn Sie große Übereinstimmung feststellen. Wenn es Gegensätze gibt, dann streiten Sie möglichst nicht darüber wer Recht hat. Meine Empfehlung: Halten Sie einfach sachlich fest, was derzeit der Stand Ihrer (Nicht-) Übereinstimmung ist. Im Laufe der weiteren Arbeit wird sich so manches klären.

Wenn wir so über unser Elternverhalten reden, dann fühle ich mich …

In Bezug auf unsere Ziele als Eltern erlebe ich uns insofern einig ….

In folgenden Bereichen erleben uns die Kinder besonders gut abgestimmt ….

Wo wir uns noch stärker abstimmen sollten ….

Ein guter, konkreter Schritt in diese Richtung wäre ….

Halten Sie Ihre Ergebnisse möglichst schriftlich, zumindest in Stichworten fest. Schließen Sie diese wichtige Arbeit mit einer ausführlichen Umarmung ab und notieren Sie Ihre Erkenntnisse in Ihr Lerntagebuch.

Zurück zur Übersicht