12-18 Jahre: Die Phase der Nähe

„Ich finde mich“

Jetzt hat das heranwachsende Kind schon viel erreicht und nähert sich der sexuellen Reife. Durch die hormonellen Veränderungen steigern sich die emotionellen Gefühlsschwankungen und sein unausgeglichenes und unkommunikatives Verhalten ist für die Eltern nervenaufreibend. Der/die heranwachsende Jugendliche hinterfragt und diskutiert alles. Verbote werden übertreten und Grenzen ausgetestet. Das Interesse am anderen Geschlecht ist enorm, wobei der/die Judendliche sich noch schwer tut, emotionale Nähe zuzulassen. Wie kann dieser heranwachsende Mensch gut zu sich selber finden?

In einer förderlichen Umgebung entwickelt das Kind …

> Eigene Identität, Werte und Maßstäbe

> Mut, sich auf einen anderen Menschen einzulassen

> Intimität – die Bereitschaft sich emotional zu öffnen

Was das Kind in dieser Phase braucht:

Für die gesunde Entwicklung des Kindes können Eltern folgende Formen von Sicherheit, Unterstützung und Struktur anbieten:

Sicherheit und Unterstützung

  • Offenheit und Gesprächsbasis fördern, nicht einfordern
  • Eigene Werte vorleben statt predigen
  • Der aufkeimenden Sexualität entspannt gegenüber stehen
  • Ehrliche Antworten geben auf persönliche Fragen
  • Bei Provokationen klar und sicher bleiben

Struktur

  • Vermitteln: “Ich bin da wenn du mich brauchst”
  • Als Paar eine gute Beziehung vorleben
  • Balance finden zwischen Strenge und Flexibilität
  • Vermitteln, dass „Nein“ ein wichtiges Wort ist, das zu berücksichtigen ist
  • Sich als Eltern nicht auseinander dividieren lassen
  • Bei ernsthaften Problemen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Verletzungspotenzial und späteres Verhalten als Eltern

Zu streng:  Wenn die Eltern eines Jugendlichen sehr streng waren, passte er sich möglicherweise sehr an und konnte daher keine Erfahrungen mit Nähe und konstruktiver Auseinandersetzung machen.

Deshalb beunruhigt ihn später als Elternteil das Aufbegehren und die beginnende Abgrenzung seines Kindes. Weil er als Jugendliche(r) nicht erfahren hat, wie man gut über sehr persönliche Themen redet, kann er ihm auch keine Hilfe sein. Er wird nur Vorschriften machen oder sich emotional zurück ziehen. Oft wertet er alle möglichen FreundInnen des/der Heranwachsenden ab.

Allein lassend: Wenn ein Heranwachsender mit dem Chaos dieser Entwicklungsphase alleine gelassen wird, dann bleibt ihm oft nichts anderes übrig, als sein Leben nach selbst aufgestellten Regeln auszurichten. Vielleicht gewöhnt er sich daran zu provozieren, um irgendeine Reaktion zu bekommen, gegen die es dann rebelliert.

Später als Vater oder Mutter wird er unsicher sein, weil er selbst Regeln prinzipiell abgelehnt hat. Dementsprechend wird er sich schwer tun, sein Kind angemessen anzuleiten und sinnvolle Grenzen zu setzen.

Selbstreflexion

Überlegen Sie entweder allein, oder noch besser mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin:

Was uns/mir/dir mit unserem Kind gut gelingt (bzw. gelungen ist)  …

Was wir vielleicht besser machen könnten …

Wenn sich mein Kind gegen mich auflehnt, dann fällt mir bei mir selber auf …

Wenn ich bemerke, dass mein Heranwachsender die Nähe des anderen Geschlechts sucht, oder gar keine näheren Kontakte hat, dann fühle ich mich …

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