Wenn Ihre Emotionen steigen


Es gibt typische Gelegenheiten, bei denen Emotionen in den Eltern hoch kommen. Oft sind das Situationen, in denen Sie selbst schon überlastet sind und das Kind steuert den letzten Tropfen bei, der Ihr Fass zum Überlaufen bringen kann. Jetzt besteht die Gefahr, dass Ihr altes Gehirn beginnt, Stresshormone freizusetzen.

Reaktives Handeln

Im Stressmodus passiert es sehr leicht, dass Mutter oder Vater re-aktiv mit unüberlegten Verhaltensweisen handeln. Wenn das passiert, dann richten sich die Energien von Eltern und Kind ungebremst gegeneinander. Beide Seiten fühlen sich nicht wahrgenommen und versuchen mit enormer Energie ihre Ziele zu erreichen. Am Ende sind sowohl Eltern als auch Kind innerlich voneinander getrennt und verletzt.

In der Stress-Situation: Bewusst handeln

Ihre oberste Maxime sollte sein: Durch das eigene Handeln die Situation beruhigen und keineswegs verschlimmern.
Noch besser: Durch eigenes überlegtes Handeln bei sich selbst und im Kind langsam neue Muster etablieren, die in absehbarer Zeit dazu beitragen, dass alles entspannter abläuft. Alles was Sie jetzt konzentriert und richtig machen, ist also bestens investiert!

Ob Ihnen das gelingt, hängt entscheidend davon ab, ob Sie stabil und halbwegs entspannt agieren können. Das ist wie beim Bogenschießen: Sie können den besten Bogen haben, wenn Ihre Hände aber zittern, werden Sie sicher Ihr Ziel verfehlen. Darum ist es so enorm wichtig, dass Sie gut bei sich selber sind und für sich selber gut sorgen.

Stabilisieren Sie Ihr inneres Gleichgewicht:

Ein erfolgreicher Ansatz ist über das Denken möglich, über sogenannte Affirmationen: Darunter versteht man aufbauende Sätze, die man sich selber sagt, um sich in die richtige Richtung hin zu beeinflussen. Denken Sie sich beispielsweise wiederholt einen der folgenden Sätze, oder etwas anderes, das Sie beruhigt:

“Ich bin ruhig und sicher!”  oder  “Alles unter Kontrolle!”  oder  “Ich mag dich!” oder etwas Ähnliches.

Eine andere recht praktische Methode, um bewusst zu sich selbst zu kommen, ist die folgende Atemübung: Atmen Sie mehrere Male tief und ohne Anstrengung durch. Spüren Sie wie Ihre Atmung tief in den Bauchraum hinein fließt und neue Energie bringt. Machen Sie eine kleine Pause, bevor Sie ausatmen. Verlängern Sie bei jedem Atemzug die Ausatmung, so dass sie etwas länger wird als die Einatmung.  Stellen Sie sich vor, dass bei jeder Ausatmung ein Stück Stress ausatmen. Lächeln Sie.

Praktizieren Sie diese einfache Übung öfter während des Tages. dadurch wird Ihnen der Ablauf vertraut und Sie werden schon während des Tages immer wieder kurz auftanken. Vor allem wird sich durch das Training der wohltuende Effekt in der kritischen Situation schnell einstellen.

Wenn Sie gerade von Ihren Gefühlen zu sehr überwältigt sein sollten, dann nehmen Sie eine ganz kurze Auszeit, indem Sie einige Schritte gehen, einen Schluck Wasser trinken, sich selbst zulächeln, und sich dann erst dem Kind zuwenden.

Präsenz: Konzentrieren Sie sich auf Ihr Kind

Praktizieren Sie diese bewusste Zuwendung wie eine Konzentrationsübung. Schauen Sie ihrem Kind freundlich in die Augen. Sprechen Sie es sanft mit dem Namen an. Wenn es passt, berühren Sie es beruhigend oder setzen Sie sich zum Kind. Machen Sie sich klar, dass Sie gerade dabei sind, dem Kind zu helfen, sich emotional zu beruhigen. Fragen Sie freundlich: “Was gibt es denn?” oder etwas Ähnliches.

Wenden Sie bei Bedarf den Imago Dialog oder den SVGW Prozess an.

Tanken Sie emotional auf – immer wieder

Eltern können viel geben, sie können aber auch an Ihre Grenze kommen. Dass Ihre seelischen Batterien bedrohlich leer geworden sind können Sie daran erkennen, dass Sie auf Ihr Kind (und Ihren Partner) frustriert, explosiv oder zornig reagieren. Oder wenn Sie spüren, dass Sie “beruhigende Hilfsmittel” wie Alkohol, Nikotin oder Kaffee verstärkt zu sich nehmen. Das sind Alarmzeichen.

Ihre emotionalen Batterien können Sie selbst und ganz natürlich auffüllen. Am Besten kombinieren Sie Methoden, bei denen Sie sich selber etwas vergönnen und bei denen Sie auf niemand anderen angewiesen sind, mit schönen gemeinschaftlichen Aktivitäten mit Menschen, die Ihnen gut tun.

Was Sie allein für sich tun können

Die folgenden Aktivitäten entspnnen und setzen gleichzeitig beruhigende Anti-Stresshormone frei. Vielleicht erinnern Sie sich an Übungen, die Sie bereits kennen oder vielleicht probieren Sie etwas Neues aus? Beispielsweise:

Ein schönes warmes, duftendes Bad: entspannt Körper und Seele

Ein entspannendes Musikstück: als bewusste Pause nur für sich

Intuitive Selbst-Massage: Spüren Sie in sich hinein, welche Berührung gut tut

Körperliche Aktivitäten: kurbeln den Kreislauf an und aktivieren Endorphine

Bewegung in der Sonne: produziert Vitamin D3 und stärkt das Immunsystem

Yoga oder Meditation: entspannt auf tiefer Ebene

Eine Profi Massage: kostet nicht viel und löst Verspannungen

usw.

Gemeinsame Aktivitäten mit lieben Menschen

Es gibt nichts Besseres für die Seele als Zeit mit Menschen zu verbringen, die man mag und mit denen man ganz offen sein kann.  Dabei werden Persönlichkeitsanteile genährt, die brach liegen, wenn man auschließlich mit Kindern zusammen ist. Ein Kind kann einem zwar durch seine Intensität und Lebendigkeit sehr viel “geben”, dennoch kann und darf ein Kind nie der Vertraute eines Elternteils werden. Deshalb brauchen Erwachsene dringend die Gesellschaft von vertrauten Erwachsenen.

Natürlich bietet sich hier zunächst der Partner bzw. die Partnerin an. Da sind zunächst jene Zeiten, in denen die Kinder im Bett sind und Sie durchatmen können. Schützen Sie diese Zeiten vor Anspannung und Streit! Zusätzlich sollten Sie sich immer wieder Paarzeit, also Zeit ausschließlich miteinander vergönnen. Meist braucht es zwar etwas Organisation, aber es wird Ihnen gut tun.

Auch Freunde, Müttergruppen oder Menschen aus der eigenen Familie können wichtige energetische Tankstellen sein. Aktivieren Sie bestehende Kontakte und suchen Sie zusätzlich nach Kontakten, die Ihnen gut tun.

Professionelle Hilfe

Scheuen Sie sich nicht, sich professionelle Hilfe zu organisieren, wenn Sie merken, dass es Ihnen emotional schlecht geht. Auslöser dafür kann eine belastende Beziehung sein, eine Trennung oder auch eine depressive Phase. Für alle diese Krisensituationen gibt es speziell ausgebildete Menschen, die Ihnen helfen können.

Dialog Entwicklungsplan

Besprechen Sie mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin, welche Situationen für Sie besonders belastend sind und wie Sie derzeit damit umgehen oder noch besser damit umgehen möchten. Vor allem unter dem Aspekt, sich bewusst zu machen, was Sie selbst für sich tun könnten.

“Was mir selber bei mir auffällt …”
“Was ich gerne erreichen möchte …”
“Was für mich derzeit noch schwierig ist …”
“Die Fähigkeit, die ich wirklich üben möchte …”
“Woran ich merken werde, dass ich vorankomme …”
“Was ich für mich selbst tun werde …”
“Was Du für mich tun könntest …”

Notieren sie alles in Ihr Lerntagebuch. Achten Sie in den nächsten Tagen genau auf kritische Situationen und üben Sie, was Sie sich vorgenommen haben! Suchen Sie dabei Ihre eigene kreative Art, um mit so einer herausfordernden Situation gut umzugehen.

 

 

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