Die unbewusste Eltern Prägung auflösen

Während unseres Eltern-seins setzen wir eine Fülle komplexer Verhaltensweisen ein, die uns teilweise gar nicht bewusst sind. Wir empfinden, denken, reden, handeln und entscheiden auf ganz spezielle Art und Weise, meist mit der guten Absicht, das “Richtige” zu tun.

Die Natur unterstützt uns dabei nicht nur mit elterlichen Brutpflege-Instinkten sondern auch mit einem genialen Trick: Wir speichern als Kind unbewusst die Verhaltensweisen unserer eigenen Eltern. Dadurch entstehen innere Programme, die wir später in den verschiedenen Erziehungssituationen einfach anwenden.

Wir nehmen dabei allerdings sowohl gesunde als auch ungesunde Verhaltensweisen unserer Eltern in uns auf. Selbst wenn uns das später bewusst wird, fallen wir in Stresssituationen sehr leicht in diese Muster zurück. Wenn wir es ganz anders machen wollen wie unsere Eltern dann kippen wir in einer Art Überkompensation sehr oft ins extreme Gegenteil.

Kurz gesagt: In jenen Bereichen und Phasen unserer kindlichen Entwicklung, in denen wir selbst ein gutes Beeltern erleben durften, können wir unseren eigenen Kindern hilfreiche, entspannte Eltern sein. In jenen Altersstufen, in denen es uns in unserer eigenen Geschichte nicht so gut ging, werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit in der Elternrolle Probleme haben.

Übung: Meine Stärken und Entwicklungspotenziale

Jetzt geht es darum, sich der eigenen Stärken als Erziehende/r bewusst zu machen, aber auch die eigenen Entwicklungspotenziale. Darunter verstehen wir jene in uns angelegten Fähigkeiten als Eltern, die war auf Grund unserer Kindheitsgeschichte aber nicht leben.

Nehmen Sie sich Zeit, für die Beantwortung dieser Fragen. Am Besten arbeiten Sie alle Entwicklungsphasen durch, zumindest aber jene Phase, in der sich ihr Kind derzeit befindet oder jene Phase, die Sie schwierig finden.

Ideal ist diese Übung mit dem Partner / der Partnerin oder mit einer Person, der Sie vertrauen und die Sie gut kennt. Als ZuhörerIn spiegeln Sie einfach die einzelnen Aussagen ohne Kommentar. Wenn Sie als ZuhörerIn eigene Beobachtungen einbringen möchten, dann bitte nur nach Rückfrage, ob es gewünscht wird. Gehen Sie beide sehr sorgsam mit diesen Themen um!

Notieren Sie Ihre Erkenntnisse gleich während oder nach dieser Reflexion:

0 – 18 Monate: Bindungsphase

Ich gehe auf mein Kind in dieser Phase ein indem ich …

Meine Gefühle, die aufkommen, wenn mein Kind sehr nahe kommt oder weg will, sind …

Was mir an mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist …

1,5 – 3 Jahre: Phase der Erforschung

Die Art wie ich mit meinem Kind umgehe, das beginnt seine Welt zu erkunden, ist …

Meine Gefühle, die ich habe, wenn mein Kind sehr unternehmungslustig oder sehr scheu ist …

Was mir an mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist …

3 – 4 Jahre: Phase der Identität

Die Art wie ich mit meinem Kind umgehe, das mit unterschiedlichen Identitäten experimentiert, ist …

Meine Gefühle, die aufkommen, wenn mein Kind mit Aggressivität und anderen Rollen experimentiert, sind …

Was mir an mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist …

4-7 Jahre: Phase der Kompetenz

Die Art wie ich mit meinem Kind umgehe, das versucht, Dinge selbständig fertigzubringen, ist …

Meine Gefühle, die aufkommen, wenn meinem Kind Versuche missglücken oder es Erfolg hat, ist …

Was mir an mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist …

7 – 12 Jahre: Phase der Freundschaft

Die Art wie ich mit meinem Kind umgehe, dem Gleichaltrige wichtiger werden als ich, ist …

Meine Gefühle, die aufkommen, wenn mein Kind enge Freunde oder keine Freunde hat, sind …

Was mir an mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist …

12 – 17 Jahre: Phase der Intimität

Die Art wie ich mit meinem Jugendlichen umgehe, der sich von mir abgrenzt oder sich verliebt, ist …

Meine Gefühle, die aufkommen, wenn mein Jugendlicher sich ganz anders verhält als ich es gut finde, sind …

Was mir an mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist …

Persönliche Zusammenfassung

Haben Sie ein Gefühl dafür bekommen, wo Ihre Stärken und wo Ihr Entwicklungspotenzial als Mutter oder Vater liegt? Notieren Sie Ihre Erkenntnisse in Ihr Lerntagebuch:

Ich glaube, ich kann mit diesen Entwicklungsphasen ganz gut umgehen:

Ich muss wahrscheinlich in den folgenden Entwicklungsphasen sehr bewusst auf mein Kind eingehen, wenn ich ihm alles geben will was es braucht:

Mein persönlicher Wachstumsplan

Ansatzpunkt 1: Kritische Situationen

Kritische Erziehungssituationen haben ein sehr hohes Entwicklungspotenzial für Eltern, wenn es Ihnen gelingt, das “bessere” Umgehen damit herauszufiltern. Nützen Sie dazu die folgenden Satzanfänge:

Etwas womit mich mein Kind immer wieder frustriert, ist …

Meine derzeitige Antwort darauf ist …

Was mein Kind allerdings in dieser Situation braucht, ist …

Ein konstruktiveres, bewussteres Verhalten von mir wäre …

Die positive Fähigkeit, die ich damit einsetze bzw. entwickle könnte man … nennen.

Ansatzpunkt 2: Mein Kind ganz annehmen

Schauen Sie jetzt besonders liebevoll auf Ihr Kind, und zwar jetzt nicht auf ein bestimmtes Verhalten, sondern auf die gesamte, vielfältige Persönlichkeit dieses kleinen Wesens.

Ein Teil der wahren Natur meines Kindes, das ich mehr akzeptieren möchte, ist …

Eine Botschaft, die ich dazu meinem Kind geben kann, ist …

Wenn ich meinem Kind dieses Geschenk gebe, fühle ich mich wahrscheinlich …

Üben, üben, üben …

Halten Sie alle Ihre Gedanken in Ihrem Lerntagebuch fest. Notieren Sie zusätzlich alle Ihre Erfahrungen und Erfolgserlebnisse möglichst genau, z.B.:
Datum / was mein Kind tut / was ich daraufhin mache / was daraus entsteht.

Vergessen Sie nicht, sich für jede neue, positive Erfahrung zu gratulieren ! Tauschen Sie sich vor allem mit dem Partner/der Partnerin über alles aus!

 

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