Sicherheit, Struktur und Unterstützung

Kinder und Jugendliche sind in vielen Bereichen auf ihre Eltern angewiesen, sowohl in materieller Hinsicht als auch in Bezug auf ihre emotionalen Bedürfnisse. Dabei geht es natürlich nicht darum, einem Kind einfach alles zu geben, was es fordert, sondern vielmehr zu wissen und herauszufinden, was es gerade wirklich braucht.

Natürlich sind Ihre Liebe und Ihr Vorbild ganz wesentliche Erfolgsfaktoren für die Erziehung. Wenn Sie sich aber fragen, was Sie für Ihr Kind konkret tun können, dann sollten Sie vor allem an Sicherheit, Struktur und angemessene Unterstützung denken. Wesentlich ist die grundsätzliche Bereitschaft, die konkrete Form wird in jedem Alter etwas anders sein.

Sicherheit

Sicherheit bedeutet für ein Baby vor allem Geborgenheit, also zu spüren, dass es jederzeit warm und liebevoll umsorgt wird. Später bedeutet Sicherheit, zu wissen, dass die Eltern jederzeit hinter einem stehen oder dass sie entspannt bleiben können, wenn sie vom Halbwüchsigen provoziert werden. Im Abschnitt über die Entwicklungsphasen des Kindes erfahren sie mehr darüber, was ein Kind in einem bestimmten Alter braucht.

Ganz entscheidend für die Sicherheit des Kindes ist natürlich der Beziehungsraum, in dem es aufwächst. Als Eltern gestalten Sie diesen energetischen Raum durch die Art und Weise, wie Sie miteinander umgehen und wie einig Sie sich in wesentlichen Fragen sind. Ihr Kind spürt jede Spannung zwischen ihnen und reagiert sofort, wenn es spürt, dass irgend etwas nicht stimmt.

Struktur

Für ein gedeihliches Miteinander braucht es bestimmte Spielregeln, sowohl in der Familie, als auch in der Schule und später in der Berufswelt. Angemessene Regeln und Grenzen verletzen das Kind nicht und behindern auch nicht seine Kreativität oder geistige Entwicklung. Im Gegenteil, sie schaffen den sicheren Rahmen, indem es sich in seiner ganzen Lebendigkeit spüren und ausdrücken kann.

Ihren Kindern sinnvolle Regeln, Werte und Grenzen zu vermitteln, das ist im Wesentlichen die Aufgabe der Eltern. Sinnvoll sind Regeln beispielsweise dann, wenn sie dazu beitragen, das Miteinander angenehmer zu gestalten, wichtige Ziele leichter zu erreichen oder Stress zu reduzieren. Wenn wir uns beispielsweise eine sinnvolle Verhaltensweise zur Gewohnheit gemacht haben, dann brauchen wir dafür künftig viel weniger Energie, weil es von unserem Unterbewusstsein automatisiert wird.

Vermitteln werden diese wichtigen Prinzipien natürlich vor allem durch das eigene Vorbild. Zusätzlich braucht es aber auch altersgemäße Erklärungen und Gespräche, um den Sinn und den Nutzen der jeweiligen Regeln zu vermitteln. Dabei werden Sie immer wieder Auseinandersetzungen aushalten müssen, wenn Ihr Kind natürlicherweise diese Grenzen überschreiten will. Aber dazu später mehr.

Unterstützung

Ihr Kind muss im Laufe seines Heranwachsens viele Herausforderungen und die Komplexität unseres modernen Lebens bewältigen. Auch jede Entwicklungsstufe stellt andere Anforderungen an das Kind. Deshalb braucht es Ihre bewusste Unterstützung um …

> sich in neuen Situationen leichter zurecht zu finden

> sich angemessen zu verhalten

> zu verstehen, warum etwas wichtig ist

> seine Kräfte richtig einzusetzen

> schönere Erfahrungen zu machen

> sein Selbstwertgefühl zu stärken

Von guten Lehrern kann man dabei sehr viel lernen. Sie wissen, dass sie Kinder nicht mit grober Kritik oder überheblichen Belehrungen beeinflussen können. Sie haben gelernt, dass der Erfolg Ihrer Kommunikation stark von der Atmosphäre und dem gegenseitigen Vertrauen abhängt. Sie achten auch sehr genau darauf, ob sie gut gehört und verstanden werden.

Darum ist die innere Einstellung und die Haltung des Imago Dialogs, den Sie anschließend lernen werden, auch so erfolgreich. Er wird Ihnen eine große Hilfe sein, um sich genau auf Ihr Kind einzustellen und auch bei heiklen Themen mit Ihrem Kind gut in Verbindung zu bleiben.

Dialog mit dem Partner

Wenn Sie beide diese Ausführungen gelesen haben, setzen Sie sich zusammen. Blicken Sie zurück in Ihre eigene Geschichte und erzählen Sie sich gegenseitig:

Von wem und auf welche Art habe ich selber Sicherheit, Struktur und Unterstützung bekommen?

Was hat mir gefehlt bzw. was hätte mir zusätzlich gut getan?

Von wem habe ich etwas Wichtiges nicht bekommen?

Was habe ich in der Zwischenzeit nachlernen können?

Was versuche ich bereits jetzt, gut zu machen?

Bedanken Sie sich gegenseitig, vielleicht umarmen Sie einander. Notieren Sie Ihre Erkenntnisse in Ihrem Lerntagebuch.

 

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